Nr. 28/2012 vom 12.07.2012

Er, sie, es geschäftet

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Ob Weihrauch-, Salz- oder Seidenstrasse, Seeweg nach Indien oder Nordwestpassage durchs Polarmeer – wo stünde die Menschheit heute, triebe sie nicht seit Urzeiten Handel? Gerade die SchweizerInnen, fleissige Menschen im bezaubernden, aber kleinen Bergland ohne Bodenschätze, wissen um dessen Bedeutung und haben dafür auch ein hübsches Verb geschaffen: geschäften.

Geschäftet wird mit allem und jedem, doch auf ein gutes Geschäft sind die SchweizerInnen seit je besonders stolz: Als einziges Land der Erde geschäften sie mit Waffen, die dem Weltfrieden dienen. Denn die Schweiz verpflichtet sämtliche Kunden vertraglich, die gekauften Waffen nicht im Krieg einzusetzen. Und wer kann schon etwas dagegen haben, wenn ein saudischer König als Hobby Handgranaten sammelt, die er in Mussestunden mit Gold- oder Silberbronze bemalt, um sie dann und wann zärtlich zu betrachten?

Dies und anderes Tiefsinniges ging mir durch den Kopf, als kürzlich in Syrien kistenweise Schweizer Handgranaten entdeckt wurden. In der Schweiz machte sich jähe Bestürzung breit – mit Syrien hatte man schliesslich gar nicht geschäftet!

Ich vermute ja, dass der saudische König die Dinger aus Langeweile auf eBay gestellt hat. Da haben sicher einige Länder mitgeboten, aber Syrien hat nun mal den Zuschlag gekriegt.

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