Nr. 31/2012 vom 02.08.2012

Subterranean Homesick

Von Karin Hoffsten

Vor einiger Zeit las ich, dass die Ikonen der Rockkultur – soweit nicht längst tot – unterschiedlich altern. Zu den gut Gealterten zählte der Autor Bob Dylan. Das fiel mir wieder ein, als mir der Genannte – gewohnt übellaunig dreinblickend – kurz darauf auf der Rückseite einer Zeitschrift begegnete. Er präsentierte die «Oris Bob Dylan Limited Edition, eine rechteckige Uhr mit einem aparten schwarzen Zifferblatt».

Nun gut, dachte ich, schliesslich zeigt auch Eric Clapton gern seine Rolex her, und selbst alte, reiche Männer wollen ab und zu wissen, wie spät es ist. Ich verlor mich in Gedanken darüber, welche Uhrenmarke Jimi Hendrix oder Janis Joplin heute bewerben würden, hätten sie überlebt. Vielleicht würde Joplin Aerobic-Videos drehen wie einst Jane Fonda.

Übrigens wirkte Bob Dylan schon vor acht Jahren mal in einem Werbespot für Victoria’s Secret mit, jener Dessousfirma, die ihre Unterwäschemodels «Angels» nennt. Deren Marketingchef sagte dem «Rolling Stone» damals über den im Spot auftretenden Engel: «Adrianas Schönheit hat etwas Herbes, der angemessene Gegenpart zu Dylan. Das Letzte, was man in einem Spot sehen will, ist ein zerknitterter alter Mann, der ein 20-jähriges Mädchen in Unterwäsche umgarnt.» Stimmt. Und Adrianas Herbheit ändert daran leider nichts.

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