Nr. 35/2012 vom 30.08.2012

Film

Film und Musik

Er enthält eine der längsten und spektakulärsten Verfolgungsjagden der Filmgeschichte: der Film «Bullitt» (1968) von Peter Yates mit Steve McQueen als Cop in Los Angeles. Der Kultfilm ist nun in der Reitschule in Bern im Rahmen des kleinen Festivals «Film und Musik» zu sehen, allerdings mit einem etwas anderen Soundtrack: Stefan Rusconi und Ephrem Lüchinger zerlegen als Whistler & Hustler die Titelmelodie des Films. Sie ergänzen teils vorproduzierte Grooves mit live gespielten Klavierklängen und verfremden die Klänge digital.

Der Stummfilm «He Who Gets Slapped» von Victor Sjöström (USA, 1924) wird von Marco Dalpane mit einer eigenen Komposition live am Piano begleitet. Buster Keatons «The Navigator» (1924) sowie «The Boat» (1921), in dem der traurig-lustige Mime Probleme mit seinem Schiff Damfino hat, werden von einem MusikerInnenensemble aus Bologna live vertont, mit dabei ist auch hier der Pianist Marco Dalpane. Und schliesslich ist auch Louis Malles «Ascenseur pour l’échafaud» aus dem Jahr 1958 mit der wunderschönen Jeanne Moreau zu sehen. Zu hören ist dazu der Miles-Davis-Soundtrack, live interpretiert von Eric Wildbolz, Christian Niederer, Herbie Kopf und Pim Nieuwlands.
Silvia Süess

«Film und Musik» in: Bern Grosse Halle Reithalle, Do, 30. August 2012, Sa, 1., Do, 6. und So, 9. September 2012, jeweils 20.30 Uhr. www.grossehalle.ch

Lesung

Jüdischer Humor

Was macht den «jüdischen Witz» einzigartig? Ist er denn wirklich so einzigartig? Worin unterscheiden sich jüdischer Humor und jüdische Witze von Appenzellerwitzen, von Ostfriesenwitzen oder vom rheinischen Humor? Was hat es mit dem jüdischen Humor auf sich, dass viele Witze eine Dialogsituation zweier oder mehrerer Juden beschreiben, meist mit typischen Namen wie Kohn oder Grün? Trifft es zu, dass jüdische Witze eine besondere Logik und Argumentation in den Vordergrund stellen?

«Etwas Theorie und viel Witzpraxis, live in sieben Sprachen mit neun Personen und 49 typisch jüdischen Situationen» stehen im Vordergrund der Veranstaltung zum jüdischen Humor und zum jüdischen Witz am diesjährigen Europäischen Tag der jüdischen Kultur. Veranstalter ist Omanut, der Verein zur Förderung der jüdischen Kultur in der Schweiz. Mit Maximilian Teicher, Patrick Bornoz, Nina Zafran, Itta Shedletzky, Rudy Levy, David Bollag, Nitza Katz, Werner Rom, Pavel Schmidt, Moderation: Michael Guggenheimer.
Adrian Riklin

«Haben Sie ein Bad genommen? – Wieso, fehlt eins?» in: Zürich Bühne S im Bahnhof Stadelhofen, So, 2. September 2012, 14 Uhr.

Festival

Fantoche

Im Fokus des 10. Internationalen Festivals für Animationsfilm Fantoche steht dieses Jahr Tschechien. Die wohl international bekannteste tschechische Animationsfigur ist «Der kleine Maulwurf», den Zdenek Miler 1957 geschaffen hat. Das tapsige Comictierchen ist jedoch nur eine von vielen Comicfiguren aus der ehemaligen Tschechoslowakei, wo es ein vielfältiges Animationsschaffen gab. Einen Einblick in das Schaffen gibt das Festival mit Kurzfilmen aus den vierziger Jahren bis heute. Zu sehen sind auch mehrere Langfilme, unter anderen «Alois Nebel» von Tomas Lunak aus dem Jahr 2011. Der Film basiert auf der gleichnamigen Graphic-Novel-Trilogie von Jaroslav Rudis und Jaromir 99. Obwohl sie sich mit schwierigen Themen wie der Vertreibung der Sudetendeutschen auseinandersetzt, ist die Trilogie in Tschechien Kult.

Neben dem internationalen und dem nationalen Kurzfilmwettbewerb zeigt das Festival auch aktuelle animierte Langfilme sowie Kurzfilme zum Thema «Die Zukunft ist …». Spannend dürften neben den Filmen auch die Gespräche und Diskussionen sein: Da geht es etwa um Richtlöhne, Crowdfunding und die Piraterie.
Silvia Süess

Fantoche 10. Internationales Festival für Animationsfilm in: Baden verschiedene Orte, 
Mi–So, 4.–9. September 2012. 
www.fantoche.ch

Jubiläen

170 Jahre Pfrundhaus

Die beiden Prachthäuser liegen etwas unterhalb der Zürcher ETH, und von ihren Räumen aus gibt es einen wunderbaren Blick auf Seebecken und Alpenkette: Das Pfrundhaus wurde 1842 gebaut, das damit verbundene Bürgerasyl 35 Jahre später. Es sind die ersten Altersheime, die Zürich errichtet hat. Vor zwanzig Jahren wurden sie von der Architektin Tilla Theus sorgfältig renoviert.

Aus Anlass des doppelten Jubiläums erzählt der Schauspieler Jaap Achterberg unter der Regie von Klaus Henner Russius aus einem der ergreifendsten Bücher über Alzheimer. «Der König in seinem Exil» ist ein autobiografischer Bericht von Arno Geiger über seinen Vater, der nicht nur über die dunklen Seiten der Krankheit berichtet.
Fredi Bosshard

«Der alte König in seinem Exil» in: Zürich Bürgerasyl-Pfrundhaus, Leonhardstrasse 18, 
Do, 6. September 2012, 19 Uhr.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch