Nr. 38/2012 vom 20.09.2012

Theater

Flow / Wasser

Längst haben sich bei der Produktionsgruppe 400asa die Grenzen zwischen Theater und Film, Bühne und Strasse aufgelöst. Transmedialität lautet die Devise. Seit diesem Jahr produzieren Samuel Schwarz und seine MitstreiterInnen neuerdings auch unter dem Namen «stadttheater.tv» ein «mobiles Stadttheater, das urbane Theaterkunst» schafft. Für Aufsehen sorgte 400asa unlängst mit dem Spielfilm «Mary und Johnny», der Ödön von Horvaths Volksstück «Kasimir und Karoline» aus dem München der späten 1920er Jahre ins Zürich des frühen 21. Jahrhunderts übertrug.
Die 400asa-Maschine läuft wie geschmiert – in vielen Formaten und auf diversen Kanälen: In der Kaserne Basel wird nun von der «400asa Sektion Nord» (der Berliner Filiale mit der Autorin und Schauspielerin Claudia Basrawi und dem Musiker, Darsteller und Regisseur Ted Gaier) das Stück «Flow/Wasser» uraufgeführt. Inspirieren liess man sich von einem «Mad Scientist»-Projekt: Mittels eines Cloudbuster sollte in einem Dorf im mittleren Atlasgebirge Regen ausgelöst werden. Ausgehend vom Element Wasser entwickelt 400asa eine Dreiecksgeschichte zwischen einem Musiker, einer Malerin und einem Wasserforscher.
Adrian Riklin

«Flow/Wasser» in: Basel Kaserne 
Di, Do, Fr, 25./27./28. September 2012, 20 Uhr. 
www.kaserne-basel.ch

Film

Es ist ein Mädchen

Das Drama fängt schon vor der Geburt an: Allein in Indien wurden in den letzten dreissig Jahren zwischen vier und zwölf Millionen Mädchen abgetrieben – aus dem einzigen Grund, dass sie Mädchen sind. Auch nach ihrer Geburt müssen viele Mädchen um ihr Leben fürchten, denn noch immer sind Söhne in indischen Familien erwünschter als Töchter, und um den unerwünschten Nachwuchs loszuwerden, wird oft vor nichts zurückgeschreckt. Die Vereinten Nationen schätzen, dass heute aufgrund des sogenannten Genderzids rund 200 Millionen Mädchen fehlen.
Der Regisseur Evan Grae Davis erforscht in seinem Dokumentarfilm «It’s a Girl» den Genderzid in Indien und China und geht der Frage nach, warum so wenig getan wird, um die Mädchen zu retten. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) und der Verein UN Women Schweiz laden ins Berner Kino Kunstmuseum zur Filmvorführung. Zu Beginn referieren Caterina Meier-Pfister, Geschäftsleiterin von UN Women Schweiz, und Sabrina Dallafior Matter, stellvertretende Chefin der Abteilung Menschliche Sicherheit im EDA, kurz zu den Hintergründen. «It’s a Girl» wird in englischer Sprache ohne Untertitel projiziert, der Eintritt ist gratis.
Silvia Süess

«It’s a Girl» in: Bern Kino Kunstmuseum, 
Mo, 24. September 2012, 18.30 Uhr. 
www.kinokunstmuseum.ch

Ausstellung

Druckerei

Seit 1988 hat die Reitschule in Bern eine eigene Druckerei, in der die Hauszeitung «Megafon» sowie Flyer, Plakate, Broschüren und vieles mehr hergestellt werden. Dank der Siebdruckerei, die 1999 eingerichtet wurde, nimmt die «Drucki» auch externe Gestaltungsaufträge entgegen. In regelmässig durchgeführten Siebdruckkursen können auch LaiInnen das Handwerk lernen.
Ab und an organisiert die Druckerei auch eine Ausstellung. «Master yourself» lautet die nächste, die sie gemeinsam mit dem Künstlerkollektiv TH3 präsentiert. Das aus sechs KünstlerInnen bestehende Kollektiv beschäftigt sich mit dem Umgang mit Hanf in unserer sogenannt modernen Gesellschaft. Zu sehen sind Druckstiche, Gemälde, Bildschirmausdrucke und auch Filme von Just1, Anthony Kurtz, Julian Morgan, Problem, Aquiles Yubero und Y. E. S. Ausserdem gibt es Dub-Musik von den Cultural Warriors.
Silvia Süess

«Master yourself» in: Bern Reitschule, 
Durchgang Kino, Do, 20. September 2012, 18–24 Uhr. 
www.reitschule.ch

Sterben in Zürich

Sterben, Tod, Bestatten, Trauern – das sind Themen, die das Leben begleiten, denen man indes gerne ausweicht. Das Bevölkerungsamt der Stadt Zürich hat nun im zentral gelegenen Friedhof Sihlfeld das Friedhof-Forum eingerichtet, um drängende Fragen zu beantworten. In einer ersten, von Nora Fehr kuratierten Ausstellung begegnet man Grabmalobjekten, die ihre eigenen kleinen Geschichten erzählen. Eine ganze Reihe von Führungen haben die Geschichte des Sihlfelds zum Inhalt.
So berichtet der Künstler Christoph Hänsli von Alltäglichem und Kuriosem, Nicole Billeter hält sich an historisch Verbürgtes. Man kann aber auch herausfinden, ob man ein historisches (und unter Schutz stehendes) Grab mieten kann oder wie man einen Stein spaltet. Informationen über die Bestattungsformen in verschiedenen Religionen gehören zum Programm, ja sogar ein Gespräch mit einem Bestatter wird angeboten.
Als Vorbereitung auf das Jenseits kann man sich zur Eröffnung des Forums himmlische Harfenklänge von Jasmine Vollmer anhören. Sie hat dazu irdische Kompositionen ausgewählt, von Johann Sebastian Bach bis Andrew Lloyd Webber. Bruno Reich orgelt ebenso himmlisch durch ein Repertoire, das von Antonin Dvorak bis Led Zeppelin reicht – ob man sich dann für den Himmel, das Fegfeuer oder die Hölle entscheidet, bleibt offen.
Fredi Bosshard

Eröffnungsfeier Friedhof-Forum in: Zürich Friedhof Sihlfeld, Aemtlerstrasse 149, Sa, 22. September 2012, 
ab 11 Uhr. www.stadt-zuerich.ch/friedhofforum

Konzert

Jeff Parker & Beans

Der Gitarrist Jeff Parker aus Chicago und Beans, der MC und Rapper des Anti-Pop Consortium aus New York, haben zusammengefunden. Sie nennen ihr brandneues Projekt The Hungry Reapers. Parker gehört zur Postrockgruppe Tortoise, die es versteht, Minimal Music, Dub, Electronica und die verschiedensten Jazzformen zu einem eigenständigen Sound zu verknüpfen. Der Gitarrist bewegt sich aber ebenso gewandt in der experimentierfreudigen Chicago-Jazzszene. Mit dem Cornetspieler Rob Mazurek hat er so unterschiedliche Gruppen wie Isotope 217° und Chicago Underground mitbegründet. Parker ist ein Chamäleon zwischen Rock, Improvisation und zeitgenössischer Komposition.
Der MC und Spoken Word Artist Beans hat sich in der Slam-and-rap-meet-poetry-Szene von New York einen Namen geschaffen. Er zeigt sich von Sun Ra, Public Enemy, Suicide und Sonic Youth gleichermassen inspiriert. Zusammen mit High Priest, M. Sayyid und Earl Blaize gründete er 1997 die alternative Hip-Hop-Gruppe Anti-Pop Consortium. Parallel dazu verfolgt er Soloprojekte und oszilliert dabei zwischen grossmäuligem Rap und New School. Als The Hungry Reapers wagen sich Beans und Parker auf neue Terrains.
Fredi Bosshard

Jeff Parker & Beans in: Zürich Rote Fabrik, 
Do, 20. September 2012, 20.30 Uhr.

Joyful Noise 27

Die Luzerner Konzertreihe Joyful Noise ist bei ihrer 27. Ausgabe angelangt und sorgt für eine Überraschung. Harald Haerter und Christy Doran, zwei einheimische Jazzgitarristen, die seit Jahrzehnten weltweit mit den unterschiedlichsten Projekten unterwegs sind, stehen zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne. In der Vergangenheit hatten beide einige Bandprojekte dabei, die durchaus musikalische Berührungspunkte mit denen des jeweils anderen hatten: etwa Haerters Intergalactic Maiden Ballet und Dorans New Bag.
Ihre Mitmusiker sind nicht ohne: Fredy Studer und Kaspar Rast, der regelmässig mit Nik Bärtsch und Ronin unterwegs ist, sitzen hinter den Schlagzeugen und sorgen für eine solide Grundierung. Als Special Guest ist der funkige New Yorker Bassist Jamaaladeen Tacuma dabei, der bereits mit neunzehn Jahren bei Ornette Coleman spielte. Mit Studer, der als Einziger schon mit allen Beteiligten zu hören war, und Doran verbindet Tacuma eine langjährige Freundschaft, die auf ein gemeinsames Projekt zur Musik von Jimi Hendrix zurückgeht, bei dem zuerst Phil Minton als Sänger dabei war und später Erika Stucky.
Für das Joyful-Noise-27-Konzert hat eine neugierige und mit allen Wassern gewaschene Truppe zusammengefunden, die hoffentlich auch über die Luzerner Weltpremiere hinaus zu hören sein wird.
Fredi Bosshard

Joyful Noise 27 in: Luzern Bar 59, 
Industriestrasse 5, Do, 20. September 2012, 20.30 Uhr.

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