Nr. 45/2012 vom 08.11.2012

Lokalisierte

Für «Sister», den neuen Film der französisch-schweizerischen Filmregisseurin Ursula Meier, fand die «Zeit» lobende Worte. Man wollte drum der deutschen LeserInnenschaft die Regisseurin etwas bekannter machen: «Meier, Jahrgang 1971, stammt aus der französischen Schweiz, aus Besançon, und topografische Umordnung scheint ihre Spezialität zu sein.» Dem Kommentar von WOZ-Leser T., dass die geografische Umordnung eine Spezialität der «Zeit» zu sein scheine, haben wir nichts hinzuzufügen.
Karin Hoffsten

Gefährliche

Deutschschweizer PolitikerInnen kennen sich in der Westschweiz natürlich besser aus, auch wenn sie zuweilen mit der zweiten Landessprache ringen. Zur Frage, weshalb manche PolitikerInnen bei Medienauftritten in der Westschweiz viel sanftmütiger wirkten, zitierte die «Basler Zeitung» SVP-Nationalrat Luzi Stamm: «‹Das hat damit zu tun, dass ich die Aggressivität auf Französisch schlechter dosieren kann.› (…) Wenn er Deutsch oder Dialekt spreche, dann wisse er genau, wie er sich ausdrücken müsse, damit ihm der Morderator das Mikrofon nicht unter der Nase weg ziehe.» Für einen Morderator finden wir diese Reaktion noch ausgesprochen moderat.
Karin Hoffsten

Andizipierende

Es ist das Verdienst des «Tages-Anzeigers», erneut Verwicklungen um den tiefen Fall des Lance Armstrong aufzudecken, diesmal reichen die Fäden bis in die Schweiz. Der Präsident des Welt-Radsportverbands akzeptiere «das Urteil der Amerikanischen Andi-Doping-Agentur», hiess es, dabei verrät schon der Name, dass diese Agentur ihren Firmensitz in der Schweiz hat. Um welchen Andi es geht, wird nicht lange verborgen bleiben.
Karin Hoffsten

Ungenaue

Unter JournalistInnen gilt die Titelsetzung als kleine Kunst für sich. Nicht unbedingt preiswürdig erschien uns «10 000 Mitarbeiter werden abgebaut», gelesen auf «NZZ Online». Da der Abbau im Banken- und nicht im Baugewerbe stattfindet, vermuten wir im Abraum, der dabei anfällt, auch einige Mitarbeiterinnen.
Karin Hoffsten

Überdeutliche

Weitaus geschickter geht da der «Blick am Abend» vor. Durch die Schlagzeile «Michelle zeigt alles» auf der Titelseite rückte er mit Michelle Hunziker nicht nur eine schöne Frau ins Zentrum, sondern er weckte Erwartungen, die mit dem kleinen Zusatz «Als erstes den Bärengraben» elegant unterlaufen wurden. Aber als wir jedoch im Heft selbst die Worte des glücklichen Verlobten lasen: «Michelle zeigt mir den Bärengraben», überkam uns das merkwürdige Gefühl, das beliebte Sonntagsspaziergangsziel für Schweizer Familien sei nun auch nicht mehr ganz jugendfrei.
Karin Hoffsten

Geläuterte

«Tele Züri» berichtete über eine Versammlung der IG Antifeminismus, jenes Männerverbands, der sich auf der Flucht vor weiblicher Aggression immer im Verborgenen treffen muss. Beim Interview des Präsidenten erschien erläuternd auf dem Bildschirm der Satz: «Urs Bleiker kämpft gegen eine Überbevorteilung der Frauen.» Eine «Überbevorteilung» kennt der Duden nicht, nur die Übervorteilung, was so viel wie Benachteiligung und Diskriminierung heisst. Wir gratulieren herzlich zum Sinneswandel!
Karin Hoffsten

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