Nr. 46/2012 vom 15.11.2012

Raumgreifende

«Mladen Bozovic, ein Goalie mit unendlich langen Krakenarmen, schien wie schon im Hinspiel der grosse Spielverderber für den FC Basel zu werden», war am letzten Freitag in der NZZ zu lesen, aber auch dies: «Auch damals, im Oktober, bot Foster eine überragende Leistung und vermittelte den Katalanen das Gefühl, eine Krake mit vielen Armen verriegle das Tor.» Wie kann die Sportberichterstattung in Printmedien überleben? Natürlich wie der Fussballtrainer – durch das Ausreizen möglichst vieler taktischer Varianten.
Jürg Fischer

Infinitivische

Nachdem sich nach dem Formel-1-Rennen in Abu Dhabi sowohl der Fahrer Sebastian Vettel wie auch sein Kollege Kimi Räikkönen der Presse gegenüber in Kraftausdrücken über die Umstände des Rennens geäussert hatten, sah sich der zuständige Verband FIA genötigt, dies zu kommunizieren: «Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, sicherzustellen, den Fahrern bewusst zu machen, dass so eine Wortwahl bei Medienterminen nichts verloren hat.» Das ist das Gegenprogramm zum Fluchen: möglichst kunstvolle Sätze produzieren.
Jürg Fischer

Prassende

«Jürg Zeltner, bei der UBS Chef der Division Vermögensverwaltung, soll laut einem Bericht der ‹SonntagsZeitung› Kundengeschenke abgesegnet haben, deren Wert die internen Richtlinien übersteigt», meldete die «Handelszeitung Online». Das kann nicht allzu schlimm gewesen sein, denn, wie das Beispiel zeigt, kann der Wert der Richtlinien nicht sehr hoch sein.
Jürg Fischer

Verschlafene

«Die ‹fünfte Führungsgeneration› kommt an die Nacht», war kurze Zeit auf «20 Minuten Online» zum Parteitag der chinesischen Kommunisten zu lesen. Doch dann kam es an den Tag und wurde gleich korrigiert.
Jürg Fischer

Aufklärende

«Im Raum nebenan blökt eine Ziege», schrieben Zürcher FünftklässlerInnen im «Kinder-Tagi» nach einem Besuch im Tierspital. Liebe Kinder, also die Ziege blökt eigentlich nicht, ausser es geht ihr schon ganz schlecht. Wenn es blökt, ist es ein Schaf, andererseits, wenn es meckert, ist es vielleicht auch keine Ziege, sondern eine Lehrperson.
Jürg Fischer

Stolpernde

Der «Landbote» zeigte, wie für einmal der Dativ dem Akkusativ zum Verhängnis wurde: «Noch fährt das Postauto von Winterthur aus dreimal pro Tag ins ‹Gyrenbad›, dem Ausflugsziel und Gasthof oberhalb von Turbenthal.» Und der «Blick am Abend» lieferte gleich noch die Analyse dazu: «Doch mit dem holprigem Deutsch und dem Unwillen der Deutschschweizer, Hochdeutsch zu sprechen, fällt die Kommunikation schwer.»
Karin Hoffsten

Kongruente

Die Titelsetzung gelte in Redaktionen als kleine Kunst, schrieben wir letzte Woche an dieser Stelle. In derselben WOZ hatten wir dann an einer unsrer Ideen so Freude, dass wir sie gleich mehrfach verwendeten. Barack Obamas Dankesrede zitierend, verhiessen wir auf der Titelseite: «Das Beste kommt noch», während wir ein paar Seiten weiter den BritInnen prophezeiten: «Das Schlimmste kommt erst noch». Bei uns kommt jetzt mal eine Weile lang gar nichts.
Karin Hoffsten

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