Nr. 49/2012 vom 06.12.2012

Gifteln im Harem

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Fürs TV-Liebescasting «Der Bachelor» auf 3+ reisten zwanzig junge Frauen mit eckig gefeilten Fingernägeln, einem TV-Team und besagtem Junggesellen – Lorenzo, Sohn des FDP-Nationalrats Filippo Leutenegger – nach Thailand. Am Ende jeder Folge mit Geknutsche, Eifersucht und Gezicke schickte Lorenzo ein paar Mädchen nach Hause. Die bleiben durften, bekamen eine Rose. Zwei sind jetzt noch übrig, nächste Woche wird Lorenzo sich entscheiden.

Ob die Sendung frauenfeindlich sei, fragte sich unsere Redaktion. Also schaute ich und kam zum Schluss: nicht nur frauen-, sondern menschenfeindlich! Auch der balzende Lorenzo, der seine Bewerberinnen «in die schillernde Welt der oberen Zehntausend» entführt und dabei mit Sätzen wie «Do chunnt scho d Vorschpiis!» lähmende Langeweile verströmt, hätte eigentlich Anspruch auf Schadenersatz: Keine halbwegs intelligente Frau wird ihn danach noch nehmen. Die Peinlichkeit kommt zur Klimax, wenn er – zurück in der Schweiz – als potenzieller Schwiegersohn die stolzen Familien heimsucht.

Die rangelnden Frauen sollen übrigens nicht auf die grosse Liebe, sondern bloss auf den Job beim Fernsehen scharf gewesen sein, was jedoch nur unzureichend erklärt, weshalb sie sich dermassen doof aufführen. Und sollten Sie das jetzt frauenfeindlich finden – ich steh dazu!

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