Kultour :

Nr. 51 -

Theater

Zum Glück

Nein, die Aussichten sind nicht gut: Einen Tag nach Erscheinen dieser Zeitung soll die Welt untergehen, und auch wenn sie es nicht tut (oder getan hat), gehen wir doch langsam vor die Hunde. Stichworte sind Klimaerwärmung, Verschuldung der Staaten oder Kriege um Rohstoffe. Eigentlich haben wir nicht viel Grund, um optimistisch zu sein. Doch genau das ist die Berner Theatertruppe Club 111 in ihrem neuen Stück «Zum Glück – Das Musical zur Rettung der Welt». Nachdem sich die Theaterschaffenden in ihrem letzten Stück «B-Movie» der Katastrophe gestellt hatten, suchen sie nun die Idylle. Ihre Mission: die Welt retten!
Ein Schiff voller ZweckoptimistInnen bricht auf, um das Glück zu suchen. An Bord: ein misanthropischer Kapitän und seine egozentrische Exfrau, eine berühmte Schauspielerin, ein unglücklich verliebter Matrose, ein Forscherteam und eine überengagierte Journalistin. Auch Jim Carpenter, der narzisstische Autor aus «B-Movie», ist wieder mit dabei. Singend wird nach alternativen Lebensräumen gesucht und immer wieder die Frage nach dem Glück gestellt: Was macht uns eigentlich glücklich? Inspirieren lassen hat sich der Club 111 von Wes Andersons Film «The Life Aquatic with Steve Zissou».
Von und mit: Sybille Aeberli, Fabienne Hadorn, Simon Hari, Meret Matter (Regie), Kai Meyer, Grazia Pergoletti und Michael Rath.
«Zum Glück – Ein Musical zur Rettung der Welt» in: Bern Schlachthaus Theater, Do, 20. Dezember, 20.30 Uhr, Premiere. Fr / Sa, 21. / 22. Dezember, 
Do–Sa, 27.–29. Dezember, 20.30 Uhr, So, 30. Dezember, 18 Uhr, Mo, 31. Dezember 2012, 21 Uhr, anschliessend Silvesterparty mit King, Reverend and The Holy Grails, DJanes Sister Knister, Kamikatze und Reverend Stoned Eye. 
www.schlachthaus.ch

Silvia Süess

Lesen und Essen

Mit «Sez Ner» hat der aus Tavanasa stammende Schriftsteller Arno Camenisch seine Trilogie im sprachlichen Grenzgebiet zwischen Deutsch und Rätoromanisch begonnen. Mit «Hinter dem Bahnhof» und «Ustrinkata» hat er sie zu Ende geführt und war landauf und landab bei Lesungen anzutreffen.
Nun haben sich der Schauspieler Gian Rupf und der knorrige Akkordeonist Hans Hassler «Sez Ner» vorgenommen und bringen unter Mitarbeit von Camenisch die Alp auf die Theaterbühne. Sie arbeiten sparsam mit Requisiten, lassen mit ihrer Hilfe einen Alpsommer erklingen. Aus der Ruhe steigt ein unheimliches Getöse von den Metallkessis auf und wird mit fein gespielten Klarinettenklängen kontrastiert. Das einsame Spiel der Älpler in der guten Stube ist aufgeladen, chaotisch und poetisch zugleich.
Zum Jahresende dann die geballte Ladung: Camenisch liest, der Bündner Koch Thomas Conrad bringt «Sez Ner» auf den Tisch des Badener «Trudelkellers», und nach dem Essen geht es im Theater weiter.
Gian Rupf und Hans Hassler «Sez Ner» in: 
Baden ThiK, Fr, 28. Dezember, 20.15 Uhr; 
Sa, 29. Dezember 2012, ThiK, 16.30 Uhr, Lesung Camenisch; 18 Uhr, «Sez Ner» auf dem Teller im Trudelhaus, 20.15 Uhr, ThiK; So, 30. Dezember 2012, 
11 Uhr, Theater. www.thik.ch

Fredi Bosshard

Performance

Bücher und mehr

2011 wurde die Initiative «Für den Schutz vor Waffengewalt» knapp abgelehnt, die Schweiz bleibt somit das einzige Land, in dem der Staat seinen Soldaten Sturmgewehre nach Hause gibt. Im Mai dieses Jahres deckte die «SonntagsZeitung» dann auf: Von rund 27 000 Armeeangehörigen weiss man nicht, ob sie ihre Waffe noch zu Hause im Schrank lagern oder diese bereits abgegeben haben.
Falls Sie noch eine Waffe zu Hause lagern, sei es im Schrank, unter dem Bett, im Keller oder im Schirmständer: Jetzt ist der Moment gekommen, wo sie diese loswerden können – und sogar noch dafür belohnt werden. Am Samstag, 22. Dezember, nimmt das Zürcher KünstlerInnenpaar Eva-Maria Würth und Philippe Sablonier alias Interpixel im Rahmen der «Dezemberbücher» Waffen entgegen. Wer eine Waffe abgibt, erhält an ihrer Stelle das Buch «Mega Buster – Kriegsgebiet Kinderzimmer. Eine Intervention zu Gewalt, Gesellschaft und Entwaffnung» der beiden KünstlerInnen. Die Waffe wird für eine Stunde an den Weihnachtsbaum gehängt und anschliessend vor Ort geschreddert.
Interpixel – Tauschen Sie eine Waffe gegen 
ein Buch! in: Zürich Remise, Lagerstrasse 98, 
Sa, 22. Dezember, 12–20 Uhr; Öffnungszeiten 
bis 24. Dezember 2012: 12–20 Uhr. 
www.dezemberbuecher.ch

Silvia Süess

Konzert

Der Frutilyzer

Die grosse japanisch-schweizerische Freundschaft zwischen Tim und Puma Mimi dauert schon einige Jahre an. Das verspielte Elektronikduo tritt mal gemeinsam auf oder greift in der Not zu transatlantischen Verbindungen, um gleichzeitig an zwei Orten präsent zu sein. Die Elektronik machts möglich, aber sie kann noch mehr: zum Beispiel Gurken zum Klingen bringen. Bei Tim und Puma Mimi ist die «elektrifizierte Gurke» gar zum heimlichen Star des Auftritts geworden. Damit sind sie zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz für das Wiener Gemüseorchester geworden, das allerdings neben Gurken auch Peperoni, Rüebli, Auberginen, Kartoffeln und Lauch einsetzt – allerdings nur analog.
Tim und Puma Mimi haben nun einen einfachen Bausatz entwickelt, aus dem begabte BastlerInnen die «elektrifizierte Gurke» selbst zusammenlöten können. Weniger Begabte können sich auch ein spielbereites Set erstehen. Auf der Website wemakeit.ch sammeln die beiden Geld für das Projekt und haben die Hundertprozentfinanzierung bereits überschritten. Die Technogurke gehört in jeden Haushalt, und mit vier Handgriffen kann sie in eine Technoaubergine umgebaut werden. Empfohlen werden Gurken und Auberginen aus biologischem Anbau und natürlich Tim & Puma Mimi Live.
Tim & Puma Mimi in: Zürich Perla Mode, 
Do, 20. Dezember 2012, 18 Uhr, Frutilyzer Kit Release. Bern Progr, Mo, 31. Dezember 2012, 22 Uhr. Luzern Schüür, Do, 3. Januar 2013, 20.30 Uhr, 
mit Sinner DC. www.timpuma.ch

Fredi Bosshard

Superterz

Die Brüder Marcel und Ravi Vaid haben vor kurzem das Publikum im Zürcher Kaufleuten etwas verstört, als sie anlässlich der Preisverleihung für die von der Stadt Zürich ausgezeichneten Kulturschaffenden aus Musik, Literatur, Tanz und Theater aufspielten. Die Vaids wurden für ihre bisherige Arbeit, in deren Zentrum neben Filmmusiken die Gruppe Superterz steht, mit einem Werkjahr ausgezeichnet.
Ihre Sounds, die sie aus analogen und digitalen Quellen destillieren, sind sperrig, und ihre Musik verweigert sich eindeutigen Zuordnungen. Sie sind experimentierfreudig, vertrauen auf Erfahrung und Zufall. In den Räumen von Perla Mode an der Zürcher Langstrasse ist Superterz nun gleich mehrere Tage zu Gast. Damit keine Routine aufkommt, haben sie befreundete MusikerInnen eingeladen. Unter diesen finden sich der Perkussionist Chris Jaeger Brown, die Gitarristen Harald Haerter und Robert Alexander und der St. Galler Norbert Möslang mit seinen «cracked everyday electronics». Für das grandiose Finale am Samstag finden dann alle Beteiligten zum Orchester zusammen.
Superterz und Gäste in: Zürich Perla Mode, 
Do–Sa, 20.–22. Dezember 2012, 21.30 Uhr. 
www.superterz.ch

Fredi Bosshard

Concerto Mondiale

Im israelischen Haifa feiern im Dezember MusikerInnen aus aller Welt unter dem Motto «Fest der Feste» gemeinsam die christliche Weihnacht, die jüdische Chanukka und das muslimische Id al-Adha.
Der in Bern lebende israelische Perkussionist Omri Hason hat die arabisch-christliche Sängerin Miriam Tukan mit der jüdisch-jemenitischen Sängerin Einat Betzalel zusammengebracht. Gemeinsam bewegen sie sich zwischen libanesischen und israelischen Volksliedern, suchen Verbindendes zwischen der Musik des Nahen Ostens und des Orients, lassen Jazz und Pop anklingen. Sanya Kroito aus der Ukraine spielt dazu die orientalische Geige. Der Akkordeonist Antonello Messina aus Palermo und der muslimisch-algerische Bassist Hakim Boukhit runden das Concerto Mondiale ab.
Concerto Mondiale in: Bern Calvinhaus, 
Sa, 22. Dezember 2012, 19.30 Uhr. www.olmusic.ch

Fredi Bosshard