Nr. 14/2013 vom 04.04.2013

Festival

Blickfelder

«Blickfelder erklärt die Welt», schreiben die Festivalleute: «Genauer: Kinder, Jugendliche und KünstlerInnen erklären sie.» Und so wird auch in diesem Jahr an verschiedenen Orten in Zürich expliziert, experimentiert, auf die Probe gestellt und vor allem orakelt – im Theaterhaus Gessnerallee und auf weiteren Bühnen sowie auf öffentlichen Plätzen wie der Brache des Hardturm-Fussballstadions oder dem Oerliker Marktplatz.
«Wilde Blüten» vereint partizipative Projekte, in denen Kinder und Jugendliche gemeinsam mit BerufskünstlerInnen agieren; unter dem Titel «Zugvögel» sind Produktionen von professionellen Theatergruppen zu sehen. Am meisten los ist während der achtzehn Tage auf der Insel der Künste zwischen Sihl und Schanzengraben. Der Stall 6, das Festivalzentrum, ist auch der Ort, wo man sich von Kindern die Welt erklären lassen kann. Überhaupt, diese Prognose lässt sich machen, werden fast alle Stallungen des Theaterhauses von einem wilden Haufen wissbegieriger und orakelnder Menschen jeden Alters besetzt und bespielt sein.
Allein schon das Programm in der Gessnerallee ist vielfältig: So hat Schneewittchen in «Biancaneve» einen Dreitagebart, und in «Sweet» hängt der Theaterhimmel zunächst noch voller Süssigkeiten, derweil in «Anne und Zef» ein albanischer Junge auf Anne Frank trifft. Doch auch an anderen Schauplätzen ist Fulminantes zu erwarten – vom «Wortgewitter» im Schauspielhaus bis zum «Orakeln à discrétion» am Lindenplatz Altstetten.
Adrian Riklin

«Blickfelder – Festival der Künste für ein junges Publikum» in: Zürich Theaterhaus Gessnerallee (Festivalzentrum) sowie Theater der Künste, Schauspielhaus, Theater Stadelhofen, Theater Purpur, Stadionbrache Hardturm, GZ Buchegg, Haus Konstruktiv und andere. Winterthur Theater für den Kanton Zürich. Do, 4., bis So, 21. April 2013. Programm: www.blickfelder.ch.

Stanser Musiktage

Das Chäslager mutiert während der Stanser Musiktage zum Jazzlager und bietet sechs jüngeren einheimischen Gruppen eine Bühne. Das Latinzelt wird zur Casa Blanca, und aus dem Weltmusikzelt wird Popup. Die sprachliche Globalisierung schreitet munter voran, und man kann jetzt schon rätseln, was bis in einigen Jahren aus dem Unteren Beinhaus, der Kapuzinerkirche, dem Kollegium St. Fidelis und dem Winkelriedhaus werden könnte. Was bleibt: Sie werden weiterhin von Gruppen aus allen Windrichtungen bespielt und besungen.
Auch dieses Jahr ist das Programm breit aufgefächert. Von der James Brown Tribute Show über den volksmusikalischen Hitzigen Appenzeller Chor bis zu Aziz Sahmaoui & University of Gnawa aus Marokko und dem klassischen Balanescu Quartet, das sein Programm der rumänischen Sängerin Maria Tanase widmet, ist beinahe alles zu haben.
Als BotschafterInnen Israels stehen die in New York lebende Posaunistin Reut Regev und der Pianist Yaron Herman, der sich in Frankreich niedergelassen hat, mit ihren Gruppen auf der Bühne. Aber auch die aus Polen stammende Klezmerformation Samech, ein Streichtrio mit Perkussionist, gehört dazu. Poesie und Chanson verbinden das Quartett der Sängerin Elina Duni, in dem Colin Vallon am Piano sitzt, und die Sängerin/Pianistin Emily Loizeau und ihre Band. Kottarashky & The Rain Dogs haben die bulgarische Popmusik ins Heute katapultiert, und die fünfzehn MusikerInnen des Collectif Lebocal nutzen das Œuvre von Frank Zappa. Für einen Ausklang mit grandiosem Rundblick sorgen die Bandoneonspielerin Helena Rüegg, der Gitarrist Quique Sinesi und Michel Godard mit dem mittelalterlichen Serpent auf dem Stanserhorn.
Fredi Bosshard

Stanser Musiktage in: Stans Diverse Orte 
im Zentrum, Mo, 8., bis So, 14. April 2013. 
www.stansermusiktage.ch

Konzert

Virgil Moorefield

Die Werke des New Yorker Komponisten Virgil Moorefield, der seit einigen Jahren in der Schweiz lebt, werden gemeinhin der Post Minimal Music zugerechnet. Moorefield ist aber auch Intermediakünstler und Autor. Als Schlagzeuger hat er mit den Gitarristen Glenn Branca und Elliott Sharp sowie dem Bassisten Bill Laswell gearbeitet. Diese Einflüsse sind mit Wucht in seine Werke eingeflossen, von denen er einige Beispiele im ersten Teil des Konzertabends mit seinem Bicontinental Pocket Orchestra zur Aufführung bringt. Neben ihm gehören noch die Schlagzeuger Martin Lorenz und Ian Ding, der auch Vibrafon spielt, die Pianistin Vicky Chow, der Gitarrist Taylor Levine, der Bassist Will Robbins und Jürg Wickihalder – für einmal am Baritonsaxofon – dem Ensemble an.
Im zweiten Teil steht das intermediale Werk «Five Ideas About the Relation of Sight and Sound» auf dem Programm – eine musikalisch-theatralische Arbeit, bei der die enge Verflechtung zwischen Schall und Optik im Zentrum steht. Dabei werden die Klänge der Instrumente live am Computer bearbeitet und visualisiert. Auf dem Berner Label Hinterzimmer ist vor kurzem eine CD/DVD erschienen, die Moorefields Credo auf den Punkt bringt: «No Business As Usual».
Fredi Bosshard

The Virgil Moorefield Bicontinental Pocket Orchestra & Intermedia Works in: Zürich Kunstraum Walcheturm, Fr/Sa, 5./6. April 2013, 
20.30 Uhr. Bern Dampfzentrale, Do, 11. April 2013, 
20 Uhr. Basel Gare du Nord, Sa, 13. April 2013, 20 Uhr.

Film

Jugendfilmtage

«Fuck the Sound» – so lautet ein Filmblock der diesjährigen 37. Jugendfilmtage in Zürich. Unter diesem Titel sind Filme zu sehen, die sich mit der Welt der Gehörlosen auseinandersetzen. Im Dokumentarfilm «Mit Lied und Leib» (2009) porträtiert der Schweizer Filmemacher Maurizius Staerkle-Drux zwei Frauen, die Neuland betreten zwischen Musik und Stille. Der Kurzspielfilm «Felix» (2007) von Andreas Utta erzählt von Felix und Lena, die sich übers Internet kennenlernen. Lena ist gehörlos. Als sie Felix treffen will, erfindet er immer wieder Ausreden – bis es schliesslich zu einem absurden Treffen kommt.
Das Kernstück der Jugendfilmtage bleibt der Wettbewerb: Fast fünfzig Beiträge von jugendlichen FilmemacherInnen sind zu sehen. Die Jury besteht aus der Schauspielerin Lisa Brand, der Castingfrau Corinna Glaus, dem Produzenten Valentin Greutert, dem Drehbuchautor und Regisseur Micha Lewinsky sowie Fabio Friedli, dem letztjährigen Gewinner in der Kategorie Filmschule. Wie jedes Jahr gibt es auch heuer die Möglichkeit, Weiterbildungen, Diskussionen und Ateliers zu besuchen, unter anderem zu Themen wie «Drehbuch» oder «Schauspiel, Coaching und Führung».
Silvia Süess

37. Jugendfilmtage in: Zürich Theater der Künste, Mi, 10., bis So, 14. April 2013. www.jugendfilmtage.ch

Theater

Mutterglück

Familie oder Karriere? Familie und Karriere? Keine Familie und auch keine Karriere? Das sind die Fragen, mit denen sich Frauen ab 35 häufig auseinandersetzen. Die biologische Uhr tickt, bis zum 40. Altersjahr sollte das erste Kind da sein – dazu müssen jedoch der Partner und die Arbeitssituation stimmen. Was, wenn nicht? Wie noch nie zuvor können heute Frauen in westlichen Gesellschaften die Entscheidung, Mutter zu werden, bewusst treffen. Doch das macht die Familiengründung nicht einfacher.
Der Autor und Regisseur Hannes Rudolph hat mit der Schauspielerin Katrin Segger ein Theaterstück zum Thema «Mutterglück» erarbeitet, in dem dringende Fragen zum Muttersein und Mutterwerden gestellt werden: Welches Glück suchen die Frauen im Mutterwerden? Und welches Glück finden sie tatsächlich? Wie kommt es, dass gleichberechtigte Paare in den Kreisssaal gehen und in den fünfziger Jahren wieder herauskommen?
Das Stück «Mutter: Glück oder Mother’s Little Helper» basiert auf Birgit Vanderbekes Roman «Gut genug», in dem sich eine schwangere Frau mit ihren Ängsten und Freuden in Bezug aufs Mutterwerden auseinandersetzt. Weitere Textgrundlagen sind «Bitterfotze» von Maria Sveland, «Schossgebete» von Charlotte Roche sowie ein Zeitungsartikel über eine ritalinsüchtige Mutter. Neben Katrin Segger als Mutter tritt auch eine Puppenfamilie auf, geführt von Puppenspielerin Frauke Jacobi.
Silvia Süess

«Mutter: Glück oder Mother’s Little Helper» in: Winterthur Theater am Gleis, Fr/Sa, 5./6. April 2013, 20.15 Uhr. Zürich Theater Keller 62, Di, 30. April 2013, bis Sa, 4. Mai 2013, 20 Uhr.

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