Nr. 22/2013 vom 30.05.2013

Schwarz auf Weiss

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Wenn ich in Medien bestimmten Ausdrücken begegne, schudderts mich immer. Bei all den Kombinationen mit «Schätzchen» etwa, was jede attraktive junge Frau in der Öffentlichkeit treffen kann: TV-Schätzchen, Skischätzchen und zahllose Schlager- und Volksmusikschätzchen, wobei es Letztere nicht besser verdienen. Hübsche Männer plagt man mit dem nicht minder blöden «Schnügel», Frauen über sechzig nennt der Boulevard gerne Grosi. Das alles ist völlig harmlos.

Widerwille erfasst mich hingegen, wenn ich lese, ein Autofahrer habe jemanden «abgeschossen», was längst Eingang in die sogenannt seriöse Berichterstattung gefunden hat. Gefühl und Kompetenz dafür, welche Sprache wo angebracht ist, scheinen sich zunehmend zu verflüchtigen.

So erläuterte «20 minuten» nach dem entsetzlichen Mord in London unter dem Foto des Mörders mit blutigen Händen: «Einer der mutmasslichen Täter erklärt einem Passanten das Motiv der Untat (…).» Schliesslich gilt auch hier die Unschuldsvermutung. Der Titel «Hackebeil-Opfer wollte schon als Bub zum Militär», anderntags im «Blick am Abend», weckte beim flüchtigen Lesen den Eindruck, es gehe um den Täter.

Nun ja. Solange sie ihn nicht Hackebeilschnügel nennen, bleibt noch ein Rest Hoffnung.

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