Nr. 28/2013 vom 11.07.2013

Ausstellung

Gabriel Orozco

Der mexikanische Künstler Gabriel Orozco hat vor zwanzig Jahren eine «Zitrone» zersägt. Die Rede ist hier vom legendären Citroën La DS, der als La Déesse, die Göttin, bekannt wurde. Gabriel Orozco fügte sie so zusammen, dass ein zweisitziges Auto mit eng zusammenliegenden Augen entstand. Seither hat er eine ganze Reihe von weiteren Objekten, Skulpturen, flüchtig und improvisiert erscheinende Installationen und Fotografien geschaffen. Sie wurden als Retrospektive zwischen 2009 und 2011 in New York, Basel, Paris und London gezeigt.
Das von Peter Zumthor entworfene Kunsthaus Bregenz zeigt nun grösstenteils von Orozco speziell für diese Räume konzipierte Werke. Darunter sind Steinskulpturen, die an Hans Arp und Constantin Brancusi erinnern, aber auch einen Bezug zu den indigenen Kulturen seiner Heimat haben. Neben der spektakulären Nachbildung eines fünfzehn Meter langen Walskeletts ist auch ein Remake von «La DS» ausgestellt.
Gabriel Orozco «Natural Motion» in: Bregenz Kunsthaus, Fr, 12. Juli 2013, 19 Uhr, Eröffnung. 
Bis 6. Oktober. www.kunsthaus-bregenz.at

Fredi Bosshard

Yaks, Yetis, Yogis

«Wisse, wir alle sind nur Maiglöckchen auf den Flügeln des universellen Frosches», sagt der weise Lama Brahma zu Donald Duck, als dieser versucht, im Himalaja seine Lebenskrise zu bewältigen. Sein geiziger Onkel Dagobert übt sich derweilen in Telekinese, um Reisekosten zu sparen. Auch er ist auf der Suche: nach Shangri-La, dem Land ohne Geld. Superhelden wie der Grüne Lama, Doktor Strange oder Thunderbolt haben in Tibet ihre übernatürlichen Kräfte erworben.
Das Zürcher Museum Rietberg versammelt unter dem Titel «Yaks, Yetis, Yogis» rund achtzig Comicgeschichten aus aller Welt, in denen Tibet im Zentrum steht. Unzählige Klischees, Absurditäten und populäre Irrtümer über «das Dach der Welt» sind so gefestigt worden. Das Land diente schon im 17. Jahrhundert als Projektionsfläche für westliche Fantasien. Man vermutete dort das Paradies, und noch bis ins 19. Jahrhundert glaubte man, dass dort Überlebende von Atlantis ihr geheimes Wissen hüten. In neuerer Zeit sind Comics mit politischer Propaganda aus West und Ost sowie philosophisch angehauchte Ich-Suchen dazugekommen. Oder das Land dient schlicht als exotische Kulisse für blutige Abrechnungen zwischen Supermächten. Die Ausstellung lädt die ganze Familie zum Schmökern ein.

Fredi Bosshard

«Yaks, Yetis, Yogis – Tibet im Comic» in: 
Zürich Museum Rietberg, Sa, 13. Juli 2013, 
16.45 Uhr, Kindervernissage. Bis 10. November 2013. 
www.rietberg.ch

Film

Hoch über den Dächern

Die Kinos stuhlen raus: Doch nicht nur in lauschigen Hinterhöfen und Gärten gibt es Filme zu sehen, sondern auch hoch über den Städten. Das Neue Kino in Basel lässt sein Publikum auch dieses Jahr auf das Bernoulli-Silo steigen. Von hier hat man eine herrliche Aussicht weit über Basel hinaus. Im Zentrum des diesjährigen Open-Air-Programms steht das Thema «Kameradschaft». Zu sehen sind unter anderen «Kameradschaft» von Georg Wilhelm Pabst, ein Film von 1931, der von der Begegnung zwischen deutschen Bergleuten und verschütteten französischen Bergleuten erzählt. Unter den fünfzehn Filmen sind auch «Der Atlantikschwimmer» (1976) von Herbert Achternbusch, die kubanische Komödie «Quiéreme y verás» (1994) von Daniel Díaz Torres oder «Ta Dona» (1991) des malischen Regisseurs Adama Drabo.
Auch in Bern kann auf die Dächer gestiegen werden: Das Kleine Dachkino präsentiert auf unterschiedlichen Terrassen an unterschiedlichen Ecken der Stadt jeweils drei Filme und ermöglicht so nicht nur filmische Freuden, sondern zeigt auch die Hauptstadt aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Zu sehen sind unter anderen Andreas Dresens Sozialkomödie «Sommer vorm Balkon» (2006), Rolando Collas «Giochi d’estate» (2011) oder Anders Thomas Jensens schwarze Komödie «Adams Apple». Die Filme werden wenn möglich auch bei Regen gezeigt.

Silvia Süess

«Kameradschaft» Open-Air-Kino in: 
Basel Neues Kino, Do, 10. Juli, bis Fr, 9. August 2013. www.neueskinobasel.ch

Kleines Dachkino in: Bern Dachterrasse Schwanengasse 3: So–Di, 14.–16. Juli 2013; Dachterrasse Engehaldestrasse 69, 
So–Di, 21.–23. Juli 2013. Bar ab 20 Uhr, Film ab 
21.30 Uhr. Am Sonntag jeweils Konzert 
ab 20.30 Uhr. www.kleinesdachkino.jimdo.com

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