Nr. 28/2013 vom 11.07.2013

Von Jürg Fischer

Anrüchige

«Vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse erhält die Einschränkung ‹wenn immer möglich› einen fahlen Beigeschmack», war vor kurzem in der WOZ zu lesen. Falsches Adjektiv zum Beigeschmack, sagen Sie? Neues Adjektiv, sagen wir: fad + schal = fahl.

Verblasene

In Ägypten ist wieder einmal alles zunderobsi; das lässt auch den «Tages-Anzeiger» nicht unberührt: «Aber er hat alle juristischen Prüfungen durchlaufen, und wenn ihm nun der Prozess gemacht wird, weil er nach dem Mubarak-Sturz aus dem Gefängnis geflohen ist, dann sieht das Kilometer gegen den Wind nach politischer Justiz aus.» Und wie das wohl erst riechen wird?! Doch wir hüten uns, die Nase zu rümpfen.

Kosmetische

Auch die App der «Süddeutschen» wusste Erstaunliches aus Ägypten: «Gegen Mursi (…) wurde ein Ausreiseverbot verhängt. Ausserdem haben Soldaten die Kaserne abgeriegelt, in der sich Mursi aufhellt.» Ist dieser Prozess abgeschlossen und vielleicht noch der Bart ab, können wir uns auf Revanche gefasst machen.

Populärmusikalische

Alte Schlager müssen gelegentlich herhalten, um aktuelle Texte zu schmücken, und so lasen wir in der NZZ: «‹Rote Lippen soll man küssen, denn zum Küssen sind sie da› sang Gus Backus in den 1960er Jahren.» Nix da Gus Backus, sagen unsere wandelnden Schlagerlexika. Cliff Richard wars, der mit seiner eingedeutschten «Lucky Lips»-Version 1963 prompt für sieben Wochen auf Platz 1 der deutschen Hitparade landete. Was aber nicht wirklich für den Song und seine Interpretation spricht.

Möblierte

Das Niveau ist seit 1963 aber nicht in allen Bereichen gestiegen, am Boulevard zum Beispiel ist es in Sachen Fremdwortkunde gar eher gesunken. Der «Blick am Abend» befragte Brandy Butler, die bei «Voice of Switzerland» teilnahm und jetzt ein Video herausgebracht hat: «Zu sehen ist auch ein Double von Ihrem Couch Stress. Für den echten hat es nicht gereicht?» Die Couch Stress muss man sich wohl als eine vorstellen, bei der die Stahlfedern rausgucken. Und das Double ist aus Kunstleder statt aus Leder.

Geschlechtliche

«Der Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH) fordert eine Lohnerhöhung für alle Lehrer innerhalb der nächsten fünf Jahre», meldete der «Tages-Anzeiger». Was ist hier falsch?, mögen Sie sich fragen. Sind die Lehrerinnen mit gemeint? Oder sind sie den männlichen Kollegen lohnmässig so voraus, dass diese Runde ohne sie stattfinden kann? Oder hat der «Tagi» einfach nicht gemerkt, dass der Verband aus gutem Grund so heisst, wie er heisst? Er hätte ja wenigstens «Lehrpersonen» schreiben können.

Ungenügende

Auch dieser Titel aus dem «Tages-Anzeiger» deutet mit dem Finger auf ein Problem: «Temperaturziel allein ist genügt nicht». Ziele allein sind genügen selten. Erreichen muss man schaffen sie!

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