Kultour :

Nr. 32 -

Theater

Im Wilden Westen

Das Quartier St. Johann in Basel hat sich stark verändert: Vor allem der Novartis-Campus, zu dem die NormalbürgerInnen nur im Rahmen von öffentlichen Führungen Zutritt haben, hat das Quartier geprägt.
Diese Veränderungen nimmt die Gruppe Theaterfalle in ihrem Stück «Im Wilden Westen» auf. Der Geschäftsmann Heiner Galliker (Heinz Margot) sucht nach Investoren für ein Immobilienprojekt, während die Filmemacherin Irene Affolter (Sandra Moser) in einer ehemaligen Güterhalle des Bahnhofs St. Johann einen Spielfilm dreht. Galliker ist Besitzer des Geländes, ausserdem finanziert er das Filmprojekt. Er beginnt sich in die Produktion einzumischen und bringt Irene in ein Dilemma: Wird sie ihre Seele verkaufen?
Im Stück von Ruth Widmer und Paul Steinmann gehen Film und Theater ineinander über, vergangene Zeiten werden heraufbeschworen und mit heute verbunden. Das Stück nimmt das Publikum mit auf einen Quartierrundgang, vorbei an baufälligen Gebäuden, in denen sich Überraschendes abspielt.
Silvia Süess

«Im Wilden Westen» in: Basel beim Stellwerk St. Johann, Vogesenplatz 1, Beginn jeweils 
19.30 Uhr. Premiere: Do, 8. August (ausverkauft), 
Sa, 10. August 2013, Do–Sa, 15.–17. August 2013. Weitere Vorführungen bis im Oktober 2013. Tickets und weitere Spieldaten: www.theaterfalle.ch.

Angriff der Neurologie

Der «menschliche Wesenskern»: Wer würde den nicht gern entdecken? Homunkuli, Frankenstein, The Human Brain Project: Von den Alchemisten bis zu den Neurologinnen möchten viele den Menschen nachbauen. Wir Gewöhnlichsterblichen haben zuweilen auch entsprechende Fantasien. Sollen wir das stolze Hirn zerfasern? Oder die scheue Seele aufstöbern? Aber vielleicht sitzt der Kern ja auch ganz woanders, etwa in der Gemeinschaftlichkeit.
Die dreiteilige «Mystery-Science-Theater»-Serie «Memetuum Plex» von Christoph Rath verfolgt den Kampf ums Bewusstsein. Genres und Formen verschwimmen und wirbeln die Sinne durcheinander. Geboten werden Krimi, Wissenschaftskritik, Politanalyse, Kunstdiskussion, Beziehungsdrama: der menschliche Wesenskern eben.
Nächste Woche läuft der dritte eigenständige Teil, und später wird die Trilogie als Ganzes nachgereicht.
Stefan Howald

«Memetuum Plex», in: Zürich Kunstraum Walcheturm, Kanonengasse 20. Episode 3: 
«Lange Schatten» am So, 11., und Di, 13. August 2013, jeweils 20 Uhr. Gesamttrilogie am 
Mi, 14., und Do, 15. August 2013, 19–23 Uhr. 
www.memetuumplex.com

Musik

Voodoo Rhythm und Pantichrist

Mit dreizehn erhielt er seine erste Gitarre – da war es um ihn geschehen: «Das Spielen war von Anfang an wichtiger als das Lernen», sagte der Berner Musiker Beat-Man vor zwanzig Jahren in der WOZ. Damals begann er mit seiner Show als Reverend Beat-Man, zuvor war er mit Wrestlermaske wild auf Bühnen herumgesprungen. Heute tritt Beat-Man noch immer auf, spielt in Off-Theaterproduktionen und ist ein wichtiger Akteur der Rockabillymusikszene. Mit seinem Label Voodoo Rhythm Records hat er vielen kleinen Bands zu fairen Konditionen geholfen.
Das Label ging 2009 dank Benefizveranstaltungen nicht in Konkurs. Nun eröffnet es gemeinsam mit Pantichrist einen Laden in der Berner Altstadt. Zu kaufen gibt es dort neue und gebrauchte Schallplatten, Kleider sowie handgemachte Siebdruckarbeiten.
Silvia Süess

Eröffnungsparty in: Bern 
Münstergasse 76, Do, 8. August 2013, ab 14 Uhr. 
www.voodoorhythm.com

Kunst 

Strahlen der Finsternis

«Zeitgenosse ist derjenige, dem die Strahlen der Finsternis seiner Zeit frontal ins Gesicht fallen.» Dieser finstere Satz von Ossip Mandelstam ist Motto eines dreiteiligen Kunstanlasses in Chur. Er bringt Druckgrafik von Joachim Dierauer mit einer Dokumentation über Wolfram Franks In-Situ-Theater und einer Diskussion zum zeitgenössischen Theater zusammen.
Wolfram Frank und In Situ haben ab 1986 die Schweizer Theaterszene aufgemischt. Die «Vierte Erinnerung» (Konkursbuch-Verlag, Tübingen) dokumentiert die letzten Arbeiten von 2007 bis 2011. Danach diskutieren Niklaus Schmid und Wolfram Frank «Zur Situation des Theaters in Graubünden»: Politanalysen, Polemiken und Provokationen sind programmiert.
Stefan Howald

Chur Atelier Dierauer, Rabengasse 15. 
Fr, 9. August 2013, Ausstellungsvernissage ab 17 Uhr, Buchvernissage 18 Uhr, 19 Uhr Konzert des Sologitarristen Benjtaro, Diskussion ab 20.30 Uhr.