WOZ News :

Nr.  46 –

Farbenblinde

Tief schürfte letztens der «Tages-Anzeiger»: «Wo hört die Wirklichkeit auf? Und wo beginnt der Roman? Im Leben des Algeriers Mohammed Moulessehoul (…) spielten diese Fragen immer eine fast existenzielle Rolle. Das fängt schon beim Namen an. Die Welt kennt ihn nur unter dem schönen Pseudonym: Yasmina Khadra, Weisser Jasmin.» Nun weiss jedes Kind vom Früharabisch her, Khadra heisst nicht weiss, sondern grün, da kann der Jasmin so weiss blühen, wie er will. Hier hört also die Wirklichkeit auf und die Fata Morgana beginnt.

Invasive

Einschränkung der Personenfreizügigkeit einmal anders, so kam es uns vor, als wir in der «Schweiz am Sonntag» lasen: «Bundesrat, Parteien und Wirtschaftsverbände planen eine Grosskampagne gegen die Masseneinwanderung der SVP – mit vielen Auftritten und viel Geld.» Einzig der Gewerbeverband mag sich noch etwas schwertun mit der Radikalität dieses Vorhabens. Für die SVP gilt unabhängig davon: Hütet euch am Morgarten. fi

Gelangweilte

In einem Bericht der «NZZ am Sonntag» über die mangelnde Lust vieler JapanerInnen am Sex stand geschrieben: «Zudem: In Japans Städten herrscht erschreckend wenig Kriminalität.» Da sind wir in unseren westlichen Metropolen wesentlich besser dran: Mord und Totschlag, Titelschwindel, Plagiate und Enkeltricks à gogo. Also müssten wir vielleicht ein bisschen Entwicklungshilfe leisten: Auf der Grundlage von Kamikaze, Harakiri, Origami und Sushi lässt sich schon etwas aufbauen.

Doggyrobbende

Fürwahr, bei uns ist das Verbrechen nämlich schon sehr ausdifferenziert. So wurde vor einigen Tagen in Männedorf an der Zürcher Goldküste ein Hund gestohlen, wie die NZZ berichtet; doch sie irrt, wenn sie schreibt: «Von einem weissen, zweieinhalbjährigen Hund, fehlt seither jede Spur.» Denn er hinterliess ein überzähliges Komma, das weder vom Dieb noch vom Berichterstatter aufgelesen wurde; hier sollten die ForensikerInnen ansetzen.

Tierquälerische

Angesichts der Trauer Hinterbliebener mag sprachkritisches Gemecker fehl am Platz sein; doch gedruckt ist gedruckt, wie kürzlich in einer Todesanzeige: «Im Sinne des Verstorbenen gedenke man dem Verein misshandelter Pferde.» Alternativ dazu schlagen wir eine Sammlung für den Verein missachteter Genitive vor, Motto: Wes Falls ich gedenk, des Dativs ich mir schenk.

Blablaistische I

«Das schwedische Transglobal-Tripfolk-Trio Bazar Bla hat seine musikalischen Wurzeln zwar in der schwedischen Volksmusik, lässt aber von allem beeinflussen, was ihr zu Ohren kommt, von Minarett-Sängern bis Fahrstuhlmusik.» Anything goes in der Musik, sagte sich hier der «Tages-Anzeiger», also trinken wir eins und sparen uns das Korrektorat.

Blablaistische II

Was der «Tages-Anzeiger» im Print nicht kann, kann er auch online nicht und formulierte: «Der Schweiz drohen mit der Unternehmensmassive III massive Steuerausfälle.» Die Folge sind auch massive Verständigungsschwierigkeiten.

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