Nr. 09/2014 vom 27.02.2014

Der böse Bub

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

khoIm realen Leben Carlos zu heissen, stelle ich mir zurzeit nicht einfach vor. Kaum ist die Erinnerung an den gleichnamigen Topterroristen im Dunst des letzten Jahrhunderts verblasst, kommt ein stolzer (Ex-)Jugendanwalt auf die Idee, seinem renitenten Vorzeigezögling für einen Dokfilm diesen Namen zu geben.

Nun gut, Hansueli konnte er ihn nicht nennen, weil er selbst so heisst. Aber etwas bodenständiger wärs doch sicher gegangen, wodurch selbst die «Blick»-Schlagzeilen angeheimelt hätten: «Beat randaliert wieder», «Ist Balzli noch zu retten?», «So wütet Röbi im Knast», «Personal im Heiri-Streik» oder «Zahlen wir, wenn Ursli zuschlägt?». Und das notdürftig verfremdete Porträt des muskelbepackten Testosteronbündels wäre bestimmt im Bauernkalender (Boys Edition!) gelandet. Von Dölf hätte ich abgeraten, denn irgendein linker Journi hätte daraus garantiert «Adolf ist eine tickende Zeitbombe» gemacht, und das wäre dann wieder ganz blöd.

Dank Bundesgericht kommt die «tickende Zeitbombe» jetzt bald in Freiheit. Ich gönne das dem Bub. Und bevor es Sie beschäftigt: Nein, ich heisse seine Taten nicht gut. Und 29 000  Franken im Monat finde ich auch sehr viel Geld. Aber für den Kaufpreis eines einzigen Gripen gäbe es immerhin knapp 4859 Monate oder 405 Jahre Sondersetting. Inklusive Thaiboxtraining.

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