Nr. 27/2014 vom 03.07.2014

Ich meine, also ist es

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Dass in der Schweiz nicht nur die Gedanken frei sind, sondern auch die Meinungsäusserung, ist ein Privileg, das ich zu schätzen weiss. Aber ab und zu nervt mich die frei geäusserte Meinung anderer, zum Beispiel wenn es um den Lehrberuf geht.

Nachdem sich erwiesen hat, dass Lehrpersonen stärker unter Belastungen leiden als vergleichbare Berufsgruppen, anerkannte das der Kommentator im «Tages-Anzeiger» zwar, konnte sich aber eine kleine Prise Süffisanz nicht verkneifen: «Der Lieblingsgrund, den Lehrpersonen angeben, ist die Belastung durch Schulreformen.» Und in der letzten «SonntagsZeitung» besang «rd» «die schönen Seiten der Arbeit im Klassenzimmer: Sinnhaftigkeit, Arbeitsplatzsicherheit und grosszügige Ferienregelung», doch: «Der jammernde Verband schadet dem Image des Lehrerberufs.»

Ginge es nach mir, müssten alle, die sich zum Lehrberuf äussern, erst vier Wochen – allein – eine Klasse betreuen. Wie die junge ETH-Assistentin, die im «Tages-Anzeiger» feststellte: «Seit ich an der ETH Studierende unterrichte (…), weiss ich, wie schwierig es ist, Top-Alleinunterhalterin zu sein.»

Der erwähnte «Tages-Anzeiger»-Kommentator war übrigens Lehrer, ehe er mit 27 zum Journalismus wechselte. Und im selben Kommentar schrieb er auch: «Der Lehrerberuf war schon vor allen Reformen ein Verschleissjob.»

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