Nr. 27/2014 vom 03.07.2014

Ausstellung

Untergründiges Spektakel

Der Untergrund – kaum eine räumliche Metapher hat solche Wirkung entfaltet übers explizit Räumliche hinaus. Das Museum für Gestaltung holt das Konzept des unterirdisch Verborgenen gewissermassen an die Oberfläche und untersucht es in einer Ausstellung mit konkreten architektonischen Beispielen. Im Untergrund wird zusätzlicher Platz geschaffen, der Durchgänge öffnet und schützenswerte, geheime oder gar gefährliche Dinge aufnehmen kann – in Tresorräumen, Regierungsbunkern oder Endlagern, aber auch im «Underground», der sich Untergeschosse aller Art aneignet. Mit Fotografien, Modellen und Filmen zeigt die Ausstellung bedeutende nationale und internationale Bauwerke und macht den Untergrund als Lebensraum sichtbar, der, so eine These der Ausstellung, unseren Alltag künftig noch viel mehr prägen dürfte. In den Sommerferien gibt es Forschungsexpeditionen für Kinder von acht bis zwölf Jahren; zudem bietet das Museum Spaziergänge in den Untergrund an, zum Beispiel «Zum tiefsten Punkt von Zürich».

«Unterirdisch. Das Spektakel des Unsichtbaren» in: Zürich Museum für Gestaltung, 
ab Fr, 4. Juli 2014. www.museum-gestaltung.ch

Roland Fischer

Konzert

Eine Nacht voll elektronischer Musik

Elektronische Musik gibts doch schon ein Weilchen, also programmiert die Berner Dampfzentrale in der langen Nacht der elektronischen Musik einen ganzen Abend mit spannenden Techno-Senioren. Felix Kubin und Pole aus Deutschland und Cellule d’Intervention Metamkine aus Frankreich gehen alle auf die fünfzig zu, der deutsche Elektronikpionier und Krautrockmitbegründer Hans-Joachim Roedelius wird dieses Jahr sogar achtzig. Von gestern ist diese Musik aber noch lange nicht. Felix Kubin beispielsweise hat unlängst einen Preis fürs Hörspiel des Jahres gewonnen. Und Cellule d’Intervention Metamkine zeigen einen wilden, steampunkigen Mix aus analoger Filmprojektion und elektroakustischer Musik.

«Die Lange Nacht der elektronischen Musik» in: 
Bern Dampfzentrale, Fr, 4. Juli 2014, 21 Uhr. 
www.dampfzentrale.ch

Roland Fischer

Festival

Bärtige Halbgötter, räudige Köter

Obacht, die Bärte kommen! Der eine ist stets sauber gestutzt und gehört Kevin Smith («Clerks»), dem streitlustigen Outlaw des US-Independent-Kinos. Der andere wuchert so unbändig in alle Richtungen wie die fantastischen Geschichten, die sein Besitzer erfindet, George R. R. Martin, Autor der Romanvorlage zur TV-Serie «Game of Thrones». Beide sind sie schwergewichtige Halbgötter der Nerdkultur, beide stammen aus New Jersey, und beide kommen als Ehrengäste ans Festival des fantastischen Films in Neuenburg, kurz NIFFF. Kevin Smith wird am Samstag, den 5. Juli, auftreten, während sich George R. R. Martin am übernächsten Wochenende dem Publikum stellt.

Wer aber lieber Filme schaut, als Idolen zu huldigen, findet im internationalen Wettbewerb auch das neuste Werk des ungarischen Regisseurs Kornel Mundruczo, der im November abermals am Zürcher Schauspielhaus gastieren wird: «White God» heisst sein sehr eigenartiger Film über ein Heer von Strassenkötern, eine räudige Parabel über das politische Klima in Ungarn. Ansonsten lockt in Neuenburg das ganze Repertoire des Genrekinos von A wie Aliens bis Z wie Zombies – wobei die Untoten neuerdings in Gestalt von blutrünstigen Bibern auftauchen, nämlich in der Horrorkomödie «Zombeavers».

14. Neuchâtel International Fantastic Film 
Festival in: Neuenburg diverse Spielorte,
 Fr, 4. Juli 2014, bis Sa, 12. Juli 2014. www.nifff.ch

Florian Keller

Klanginstallation

Klingende Postkarten

Auf eine besondere Weltreise machten sich die drei MusikerInnen Anna Trauffer, Philipp Schaufelberger und Christoph Coburger: Sie haben 97 gefundene Postkarten vertont. Mal wirken die Karten nostalgisch, mal geheimnisvoll, dann wieder kitschig oder ganz alltäglich. Die Rückseiten lassen Geschichten über die Absender erahnen, die dann mit Dichtung, Rap und Hörspiel weiterverfolgt wurden. Die «komponierte Weltbeschreibung» ist nunmehr im Zürcher Kunstraum Walcheturm zu hören. Die vierstündige Komposition hat weder einen Anfang noch ein Ende; eine Rauminstallation erlaubt jederzeit den Ein- und Austritt. Ein Film von Daan Milius sowie tägliche GastperformerInnen beschäftigen sich ebenfalls mit den Bildern aus der Ferne. Wozu noch in die Ferien fahren …?

«P.O.S.T. 97 Ansichten aus dem Dead Letter Office» in: Zürich Kunstraum Walcheturm, 
Mo–So, 7.–13. Juli 2014, täglich 10–21 Uhr.

Kaspar Surber

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