Nr. 33/2014 vom 14.08.2014

Uterine Gebrauchsleihe

Von Karin Hoffsten

Eigentlich hätte die Menschheit ja mit ihren Familienzerwürfnissen wegen Scheidung, Erbschaft und Kuckuckskindern vollauf genug zu tun. Doch dank fortschreitender Möglichkeiten in der Reproduktionstechnologie konnte der Ursachenkatalog für familiäre Rechtshändel um zahllose Varianten erweitert werden.

Schon in den achtziger Jahren zankten sich in den USA leiblicher Vater und Leihmutter um das Sorgerecht von «Baby M.». In diesen Tagen wurde bekannt, dass in Italien bei einer künstlichen Befruchtung die Föten der falschen Frau eingepflanzt wurden, weil sie einen ähnlich klingenden Nachnamen hat. Die Lesekompetenz des Personals kann offenbar mit dem technischen Fortschritt noch nicht Schritt halten.

Und seit Wochen nimmt die Welt Anteil am Schicksal der Zwillinge Gammy und Piper. Laut thailändischer Leihmutter nahm das auftraggebende Paar nur das gesunde Mädchen Piper mit und liess den behinderten Gammy zurück, während das australische Paar im TV-Interview beteuerte, es sei wirklich alles ganz anders: Weil ihnen der kleine Gammy so fehle, zögen sie der kleinen Piper sogar ab und zu hellblaue Kleider an.

Das könnte ja alles noch als normales Beknacktsein durchgehen. Doch nun hiess es, der Australier habe zudem wegen Kindsmissbrauch drei Jahre Knast hinter sich.

Na denn Prost, Piper!

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch