Nr. 33/2014 vom 14.08.2014

Festival

Bern liest

Die Kunst muss raus auf die Strasse! Forderten wir an dieser Stelle bereits letzte Woche und tun es hier wieder. Und Bern tut es auch wieder: Gingen letztes Wochenende in der Hauptstadt die StrassenmusikerInnen auf die Strasse, so sind es diese Woche die AutorInnen. Ihre Stimmen füllen am Samstag, dem 23. August, die Gassen der unteren Berner Altstadt: Von der Münsterplattform zum Lischetti-Brunnen, von der Brunngasse bis zum Erlacherhof werden Ruth Schweikert, Adolf Muschg, Christoph Simon, Stephanie Grob, Dorothee Elmiger, Arno Camenisch, Jonas Lüscher und viele mehr zu hören sein. Die öffentlichen Lesungen sind Teil des 5. Berner Literaturfests, das während sechs Tagen nicht nur in Bern, sondern auch in Burgdorf, Biel, Köniz, Meikirch, Münchenbuchsee, Schwarzenburg und Thun vornehmlich Schweizer Literatur präsentiert.

Den Auftakt des Festivals macht der Autor Matthias Zschokke, dem auch der Grosse Literaturpreis von Stadt und Kanton Bern verliehen wird. Weitere Höhepunkte – um nur ein paar wenige aufzuzählen – sind die Hommage an den im letzten Januar verstorbenen Bieler Autor Jörg Steiner, dem unter anderen auch Peter Bichsel die Ehre erweist, ein Gespräch mit Lukas Bärfuss sowie am Abschlussabend der Auftritt des Autors Michael Fehr mit dem Musiker Simon Ho.

5. Berner Literaturfestival in: Bern 
und um Bern herum, Di–So, 19.–24. August 2014. 
www.berner-literaturfest.ch

Silvia Süess

Zappa forever

Frank Zappa lebt – zumindest musikalisch. Der 1993 verstorbene Musiker gilt als Mitbegründer des progressiven, experimentellen Rock. Seine Kompositionen sind collagehaft, hochkomplex und unkonventionell.

Unkonventionell ist auch das erste Schweizer Festival, das sich ganz dem grossen Künstler verschrieben hat: Zapperlot! heisst das vom Musiker und Zappa-Fan Anton Brüschweiler gegründete Festival und bietet jenen MusikerInnen eine Plattform, die sich in der Szene des progressiven Rock, Urban Crossover oder Experimental bewegen.

In Schangnau, im tiefsten Emmental, wo früher das Out-in-the-Kraut-Festival stattfand, treten während dreier Tage Zappa-inspirierte Bands aus der Schweiz und ganz Europa auf. Bei der Mats/Morgan-Band aus Schweden sind gar Musiker dabei, die schon mit dem Meister selbst auf der Bühne gestanden sind.

Getränke und Essen werden übrigens mit dem «Fränk» bezahlt – Zappa ist an diesen Tagen nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Portemonnaie präsent.

Zapperlot! in: Schangnau, Fr–So, 15.–17. August 2014. www.zapperlot-festival.ch

Silvia Süess

Ausstellung

Punkveteran

Es heisst, sein Adressbuch lese sich wie ein Who’s who der Rock-’n’-Roll-Szene der letzten vierzig Jahre: Sonny Vincent ist ein Überlebender, einer der letzten noch aktiven VeteranInnen, die der Musik und dem «Fuck it!» der New Yorker Punkszene der siebziger Jahre treu geblieben sind. In seiner bewegten Musiker- und Künstlerkarriere arbeitete er unter anderem mit Mitgliedern von Velvet Underground, MC5, Iggy and the Stooges, Sex Pistols und The Damned zusammen. Nun kommt Vincent nach Zürich – allerdings nicht als Musiker, sondern als Gestalter. Die Zürcher Ausstellung «Ultramafic» zeigt eine Auswahl der Schallplattencover, die Vincent für seine LP «Ultramafic» handgefertigt hat, sowie Tourposter aus recyceltem Material.

Sonny Vincent in: Zürich Kunstraum Bellerive, Vernissage 20. August 2014, 19 Uhr. 
www.sonnyvincentsart.yolasite.com

Roland Fischer

Performance

Stille Trilogie

Hektik, Reizüberflutung, Komplexität und Produktivität: Immer muss es höher, schneller, weiter gehen. So hasten wir durchs Leben – oft begleitet von der Sehnsucht nach einem Moment des Innehaltens, der Stille. Das integrative Kollektiv Frei_Raum geht diesen Momenten und dem Sinn des Zuhörens und der Stille nach. Warum fällt Zuhören so schwer? Warum macht uns Stille oft Angst? Wann wird es zu laut, wenn man gehörlos ist?

KünstlerInnen mit und ohne Behinderungen aus den drei Sparten Tanz, Theater und Musik (unter anderem mit Mitgliedern des Berner Ballettensembles) ergründen verschiedene Aspekte der Stille und leihen dem Alltäglichen ihr Gehör. Entstanden ist eine Trilogie, die den Zuschauer durch eine Klang-Text-Installation führt, sie in einem Tanzstück mit der Angst vor der Kommunikationslosigkeit konfrontiert und schliesslich auf eine Expedition nach der verlorenen Stille mitnimmt.

«Stille. Eine Trilogie» in: Bern Heitere Fahne, 
ab Fr, 15. August 2014. www.freiraumtheater.ch

Roland Fischer

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