Nr. 39/2014 vom 25.09.2014

Geschnippelt und geritzt

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Die wichtigste Berufsgruppe im Zeitalter der Selfies dürften die ChirurgInnen stellen, dicht gefolgt von Tätowierern und Piercerinnen, wobei Erstgenannte mindestens zehnmal mehr verdienen. Die Zeiten, in denen Coiffeur und Kosmetikerin den grössten Einfluss aufs westliche Erscheinungsbild nahmen, sind jedenfalls vorbei.

Bodymodifikation ist angesagt. Vom harmlosen Tattoo – selbst Exbundesratsgattin Babette Deiss nennt eine Rose auf der Schulter ihr Eigen – über landläufiges Piercing, Brandmale, Silikonhöcker an allen denkbaren Körperteilen, gespaltene Zungen bis hin zur amputierten Gliedmasse gibt es alles. Als Beweggrund nennen Bodymodifizierte gern «Selbstverwirklichung», während die «lebendige Sexpuppe» Victoria Wild, die 45 000 Franken in ihre Veränderung investiert haben soll, im «Blick am Abend» unbefangen kundtat: «Die Leute starren mich auf der Strasse an, ich liebe es.»

Umfassendere Motive haben die PatientInnen von Doktor Matsuoka. Laut «NZZ am Sonntag» lasert der japanische Schönheitschirurg für 3550 Euro neue Linien in die Hand, um dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen. Männer wünschen ausgeprägtere Erfolgs-, Frauen hingegen neue Liebeslinien. Soll prima funktionieren!

Wem Japan zu weit ist, empfehle ich Beten. Das hilft erwiesenermassen auch, tut nicht weh und ist billiger.

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