Nr. 51/2014 vom 18.12.2014

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten*

Der Wunsch nach einer WOZ mit nur positiven News ist sicher der legitimsten einer. Müssten wir ihn allerdings jede Woche befolgen, wäre schnell fertig lustig. Doch lesen Sie selbst:

Schneereiche

Der Kanton Uri will künftig bei Lawinengefahr Helikopterflüge für PendlerInnen finanzieren. Gut so. Die Berichterstattung darüber im «Tages-Anzeiger» geriet aber selber, mitten im letzten Satz, unter eine Lawine: «Der Regierungsrat schätzte die Kosten auf rund.» Wir sind zuversichtlich, dass der nächste Schritt die Ausrüstung der teilnehmenden JournalistInnen mit einem Barryvox sein wird.
Jürg Fischer

Temperierte

«Tiefkühlen bietet den Vorteil, dass der Honig nicht erhitzt wird», entnehmen wir den Richtlinien von Bio Suisse, Gebieterin über das Knospe-Label. Wenn wir einen Tipp abgeben dürfen: Vorheriges kühles Lesen bietet den Vorteil der Vermeidung eines Schleudertraumas.
Jürg Fischer

Perlende

Apropos Honig: Da fiel uns auch die Champagnerberichterstattung der «NZZ am Sonntag» auf. «Der Zeitpunkt des Genusses hängt von den eigenen Vorlieben ab. Wer jugendliche, frische Schäumer mag, öffnet die Flasche früher als jener, der auf gereifte Beispiele mit goldener Farbe und honigartiger Nase steht.» Und wer Sprachblasen mag, die sich im Handumdrehen in nichts auflösen, liest waseliwas?
Jürg Fischer

Tolerante

Verschiedene Medien berichteten Erfreuliches aus Bern: Das Haus der Religionen wurde eröffnet, in dessen Trägerverein acht Religionen mitmachen. Jüdinnen, Bahai, Sikhs, Christen, Musliminnen, Hindus, Buddhistinnen und Aleviten, einige davon haben eigene Sakralräume, die christliche Kapelle teilen sich verschiedene Gemeinschaften. Auf beiden Stockwerken finden sich Dialogbereiche. Wie wir aus unsicherer Quelle wissen, haben sich die AtheistInnen im Keller eine gemütliche Sofaecke eingerichtet, während die AgnostikerInnen ein Matratzenlager unterm Dach bezogen haben. Bei Bedarf bieten sie dort Mediationskurse an.
Karin Hoffsten

Duftende

Der schickliche Teil der Zürcher Jugend debütierte auch dieses Jahr wieder am Kaiserball. Der «Tages-Anzeiger» steuerte ein paar Benimmtipps bei, die sich nicht nur auf der Tanzfläche, sondern auch an einer Demo gut machen, zum Beispiel: «Frischer Atem schätzt jeder Tanzpartner.» Dieser Hinweis dürfte selbst den Akkusativ wohlwollend stimmen, den wir hier ein letztes Mal in diesem Jahre ehren wollen.
Karin Hoffsten

Gerechte

Und zum Schluss eine der erfreulichsten Nachrichten des Jahres: Ein Bürger aus Dürnten im Zürcher Oberland hat wegen seiner Lese- und Rechtschreibschwäche jahrelang viel zu viele Steuern bezahlt und nie Einsprache dagegen erhoben. Nun hat die Gemeindeversammlung gegen den Willen der Behörden beschlossen, ihm die Schulden zu erlassen und sogar einen Teil der zu viel bezahlten Steuern – eine Viertelmillion Franken – als «Geschenk» zurückzuzahlen. Und diese Pointe mussten wir noch nicht mal erfinden!
Karin Hoffsten

* Wunsch von T. Hackel, 
Ch. Müller, K. Haltmeier: «Nur gute 
Nachrichten, 
bitte!»

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