Nr. 03/2015 vom 15.01.2015

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Selbstreferenzielle

Manchmal erklärt sich etwas ganz aus sich selbst heraus. Dies hat vergangene Woche der Zuger CVP-Nationalrat Gerhard Pfister bewiesen, der sich von der NZZ so zitieren liess: «Wie lange die Flüchtlinge schliesslich hier bleiben, hängt nicht vom Status ab, sondern von anderen Faktoren, wie etwa der Aufenthaltsdauer.» Wohl wahr. Anzufügen ist: Wie viele es sind, hängt von der Höhe der Kontingente ab.
Jürg Fischer

Unbeugsame

Auch in der Sportberichterstattung gilt es, das Utopische nicht aus den Augen zu verlieren. Im Liveticker der «Berner Zeitung Online» las sich das beim letzten Springen der Vierschanzentournee so: «Auch wenn Ammann keine Chance mehr auf den Tagessieg hat, wünschen wir ihm den Tagessieg.» Wir unsererseits wünschen nachträglich: Kopf hoch, Simi!
Jürg Fischer

Befindliche

Und wiederum die NZZ war im Langlauf so engagiert dabei, dass ihr die Buchstaben aus der Tastatur quollen: «Seraina Boner schaffte es im Münstertal erstmals in die Sprintfinals. Trotz diesem Exploit war es ihr in Tschierv aber sunwohl.» Wir vermuten, vögeliwohl wäre die bessere Voraussetzung für einen guten Lauf.
Jürg Fischer

Sensationslüsterne

Wie agieren Enthüllungsmedien im Spannungsfeld von öffentlichem Interesse und Schutz der Privatsphäre? Die Website srf.ch erläutert: «In Beiträgen auf Kassensturz und Espresso, in denen wir Missstände aufzeigen, nennen wir selbstverständlich alle Begeiligten und geben ihnen die Möglichkeit, sich zu den Vorwürfen zu äussern.» Aufgepasst: Unter die Begeiligten mischt sich gern der notorische Doktor Freud.
Jürg Fischer

Harmonische

Im Dezember informierte die Schwulenorganisation Pink Cross über eine «homophone Badehaus-Razzia» in Kairo, jetzt wurden die festgenommenen Männer freigesprochen. Die ägyptische Gerichtsbarkeit scheint zum Glück nicht einstimmig homophob.
Karin Hoffsten

Süss-Saure

Einer der im Dezember verstorbenen Tonkünstler nannte gemäss «Tages-Anzeiger» seine letzte Formation «Beny Rehmann Sho-worchester». Fans schätzten das würzig-elegante Melodienspektrum.
Karin Hoffsten

Abgekürzte

Nach allem, was der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) in letzter Zeit widerfuhr, hiess es auf der WOZ-Titelseite auch noch: «Mob gegen Kebs». Als Kebsweib oder Kebse bezeichnete man einst eine Nebenfrau oder Konkubine, und die wurde sicher hin und wieder gemobbt. Das Kind der Kebse wurde Kegel genannt, was in der Redensart «mit Kind und Kegel» nachklingt. Wir bitten um Nachsicht und vermuten: Manch Kebsweib mit Kegel wäre über so eine Behörde noch froh gewesen.
Karin Hoffsten

Übergebende

«Unsere Vision ist, dass ein Kunde in Bern seine Mahlzeit in der Box kaufen, im Zug nach Zürich essen und dann in der Limmatstadt zurückgeben kann», legte der «Bund» einer Initiantin von Mehrweggeschirr in den Mund. An der Limmat formiert sich bereits heftiger Widerstand.
Karin Hoffsten

woznews@woz.ch

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch