Nr. 06/2015 vom 05.02.2015

Babs im Bilderbuch

Von Karin Hoffsten

Seit Dienstag weiss ich, dass sich hinter dem flotten Namen Babs das Bundesamt für Bevölkerungsschutz verbirgt. Weil Babs am Puls der Zeit ist, warnt sie jetzt auch per App vor Katastrophen, als da sind: Erdbeben, Hitzewellen, Hochwasser und Kältewellen.

Auf www.alertswiss.ch kann ich meinen persönlichen Notfallplan herunterladen. Und weil wir hier «in einer Bilderbuchwelt» leben, zeigt ein Filmchen am Beispiel der Familienväter Tim (sorglos) und Tom (fürsorglich), was zu tun ist: Wasser und Notvorräte für eine Woche horten, Dokumente zusammen aufbewahren, nötige Medikamente am Körper tragen, den schnellsten Heimweg für die ganze Familie aufschreiben, eine Notunterkunft für die Evakuierung festlegen und vieles andere mehr. Der Plan muss jährlich erneuert werden, weil man ja auch mal umzieht oder die Tante mit der Evakuierungswohnung nach Neuseeland ausgewandert ist.

Nun ist es nicht so, dass ich nichts von Vorsorge hielte. Ich weiss sogar, wo die Jodtabletten liegen, die Babs mir kürzlich geschickt hat. Deshalb wundert es mich, dass Atomunfälle auf Babsens Katastrophenliste fehlen, obwohl in dem Filmchen das Erdbeben mit einem havarierten Kernkraftwerk illustriert wird.

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass mein persönlicher Notfallplan auch nur bei Bilderbuchkatastrophen hilft.

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