Nr. 06/2015 vom 05.02.2015

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Lebensumspannende

Die heutigen Möglichkeiten, sich einen Kinderwunsch zu erfüllen, sind fast unbegrenzt: «Familie Brühlhart hatte ein Kind aus einem Waisenheim in Indien noch vor seinem ersten Lebensjahr adoptiert», wusste der «Tages-Anzeiger». War es also schon pränatal im Waisenhaus angemeldet? Kann man in Indien zu diesem Zeitpunkt noch Einfluss nehmen auf das Wunschkind (Wiedergeburt!)? Schöne neue Welt. Auf der anderen Seite des Lebens geht es nicht minder wundersam zu, glaubt man der «Schweiz am Sonntag»: «Kaum beerdigt, trat der neue Herrscher Salman die Nachfolge an.» Unklar ist, ob im Reich der Toten oder der Untoten.
Jürg Fischer

Strategische

Kopieren oder Kooperieren, was ist die bessere Regierungstaktik? Ein Mittelweg geht auch, wie «20 Minuten» suggeriert: «Dschihadisten: EU-Staaten wollen besser koopieren.» Herr Houellebecq dürfte sich bestätigt fühlen. Unverbesserliche EU-SkeptikerInnen können ja nach Griechenland auswandern.
Jürg Fischer

Verbandelte

Relativsätze sind naturgemäss beziehungsreich. Aber wer mit wem? «Das Vorurteil prägt die Wahrnehmung, merkten wir, als wir eines dieser Inserate, das jeweils als Füller bei den Todesanzeigen steht, lasen», stand letzte Woche an dieser Stelle. Richtig wäre: «… eines dieser Inserate, die … stehen». Die Wahrnehmung aller unserer Instanzen war da relativ getrübt.
Jürg Fischer

Aufrechte

Zweimal minus gibt plus, doch heraus kommt manchmal nicht das Gelbe vom Ei. Ebenfalls in unserem Blatt war zu lesen: «Der Kampf gegen den Antifaschismus in den Colonie Libere Italiane ist für Rodoni vorüber.» Dabei hatte er – zum Glück – gar nie angefangen. Hier ist ein «anti» zu viel in die Spalten gerutscht, wir entschuldigen uns.
Jürg Fischer

Veranschaulichte

Viel zu wenig Anerkennung erfahren meist jene, die einen Text erst mit passendem Bild aufwerten oder dank gelungener Zusammenstellung gar Neues erzeugen. So ergänzte den «Tages-Anzeiger»-Bericht über die Debatte im Zürcher Kantonsrat, ob SozialhilfebezügerInnen ein Auto besitzen dürften, ein Foto, das jemanden am Steuer eines Wagens mit plattem Reifen zeigte, was die Einstellung mancher KantonsrätInnen auf den Punkt brachte. Und im Inhaltsverzeichnis des «Migros Magazins» wurde klar, vor welchen Problemen moderne Eltern stehen: Ein Kleinkind zeigt da mit wild wedelnden Ärmchen auf ein kopulierendes Paar aus dem Kamasutra und kreischt: «Mami, ich will das auch!» So kommts nämlich, wenn der Nachwuchs schon im Chindsgi mit Holzpenis und Plüschvagina aus dem Sexkoffer traktiert wird.
Karin Hoffsten

Sublimierende

Apropos: Unter dem Betreff «Unterwerfen Sie Ihr Huhn!» wurde uns kürzlich ein neues Kochbuch angeboten. «Fesseln, schneiden, schlagen Sie es bis es ganz Ihren Wünschen entspricht. Von Stellungen ganz in der Tradition des Kamasutra bis zu einfachen Gerichten die auch Neulinge auf dem Gebiet der Fesselspiele beherrschen, sind dem Vergnügen keine Grenzen gesetzt. (…) Ein unschuldiges und unverdorbenes Huhn und ein dominanter Koch – welch eine Kombination!» En Guete mitenand!
Karin Hoffsten

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