Nr. 13/2015 vom 26.03.2015

Der schleimige Mammon

Von Karin HoffstenMail an Autor:in

Facebook hat sogenannte Gemeinschaftsstandards dafür, was akzeptiert ist. Ich finde das gut, denn auf all die Hirnamputierten, die sich sonst schon in Internetkommentarspalten tummeln, kann ich verzichten. Doch als die «Süddeutsche Zeitung» meldete, die Seite des hessischen Landesverbands der «Partei» sei gesperrt worden, staunte ich.

Zu den Sperrkriterien gehören «Nacktheit», «Hassbotschaften» oder «gewalttätige und explizite Inhalte». Anlässlich der EZB-Einweihung hatte die «Partei» gepostet: «Schulfrei im Frankfurter Osten! Die EZB-Banker lassen sich einiges einfallen, um sich bei den Jungkapitalisten einzuschleimen.» In welche Kategorie fällt der Satz?

«Nacktheit» wohl kaum, denn nackiger als der «Star des Tages» auf der Facebook-Seite des «Blicks» dürfte sich kaum ein «Partei»-Mitglied öffentlich zeigen. Gewalttätig oder hasserfüllt klingt der Satz auch nicht. Also siehts ganz danach aus, als ob Facebook seine Standards um den Begriff «Kapitalismuskritik» erweitert hätte.

Inzwischen ist die Sperre wieder aufgehoben. Da auch der Administrator der «Partei»-Seite mit all seinen sonstigen beruflichen Aktivitäten gesperrt worden war, dürfte der mit einer Klage wegen Lohnausfall gedroht haben. Es geht immer ums Geld.

Aber vielleicht blieb ja auch das schlüpfrige «einzuschleimen» in der Rasterfahndung hängen.

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