Nr. 22/2015 vom 28.05.2015

Von Karin HoffstenMail an Autor:in

Verhakte

Freudig kündigte «10 vor 10»-Moderator Stephan Klapproth an, Schweizer Ärzte würden ihren tadschikischen Kollegen zeigen, «wie man sogar mit Stricknadeln perfekt operieren kann». Noch während unsere Fantasie blutiges Stochern und Piksen imaginierte, kam eine Häkelnadel ins Bild. Klapproth dürfte zwar zur Generation gehören, die vom Handarbeitsunterricht noch nicht profitieren konnte, weil der erst nach 1981 auf Knaben ausgedehnt wurde, doch seine Einschätzung erstaunt. Der – eindeutig jüngere – Zürcher Arzt hingegen bewies Sachkenntnis übers Chirurgenhandwerk hinaus: «Wir haben dieses Häkchen auf dem Markt gefunden, das eigentlich zum Sockenstricken beziehungsweise Häkeln verwendet wird.» Oops – grade noch mal gut gegangen.

Aufgefrischte

In der «Zuger Woche» setzte sich ein SVP-Kantonsrat für ein Ja zum neuen Stadttunnel ein: «Denn ein modernder, leistungsfähiger Kanton Zug braucht auch eine moderne, leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur.» Um den fauligen Modergeruch loszuwerden, sind 890 Millionen Franken ja ein Schnäppchen.

Historische

Die NZZ deckte frühe internationale Wirtschaftsverflechtungen auf: «Nach mehr als anderthalb Jahren Restaurierung ist die Cestius-Pyramide in Rom wieder zugänglich gemacht worden. Das etwa dreissig Meter hohe, mit Marmorplatten verkleidete Bauwerk wurde als Grab für den Volkstribunen Caius Cestius zwischen 18 und 12 vor Christus erbaut. Finanziert hatte die Arbeiten der japanische Geschäftsmann Yozo Yagi.» Gemäss den Schriften des Titus Livius sollen sich im Vorfeld einige Senatoren übers aufdringliche Lobbying des Japaners beschwert haben.

Jenseitige

Bei einer Ankündigung in unsrer eigenen Zeitung konnte der fälschliche Eindruck entstehen, die Veranstaltung werde von einem Medium geleitet: «Im Rahmenprogramm der Ausstellung ‹Geld. Jenseits von Gut und Böse› streiten die Nationalräte Cédric Wermuth (SP) und Kurt Wasserfallen (FDP) darüber, ob das Geld gerecht verteilt ist.» Es stritt natürlich nicht der verstorbene Vater, sondern sein Sohn, FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Wir bitten um Entschuldigung, weisen aber – ohne uns herausreden zu wollen – darauf hin, dass Vater und Sohn zumindest politisch nicht viel unterscheidet.

Statistische

Unter dem Titel «Auto erfasst Mann» brachte «20 Minuten» die Meldung: «Jede vierte Person hat Probleme mit dem Schlafen. Frauen sind häufiger davon betroffen als Männer. Nur gerade fünf Prozent der Bevölkerung haben keine Schlafprobleme, wie eine vom Bundesamt für Statistik durchgeführte Gesundheitsbefragung ergab.» Auch ob Opfer und Unfallverursacher schlaflos oder schlafwandelnd aufeinandertrafen, blieb unklar.

Zielbewusste

Laut dem «Fricktaler» haben die Fricktaler Spitäler im Jahr 2014 mehr Wachstum bei den Patientenzahlen erwartet. Der Verwaltungsratspräsident sei «dennoch zuversichtlich, dass sich die Patientenzahlen in den kommenden Jahren erneut positiv entwickeln werden». Zur Not kann man immer noch ein paar Viren in die städtische Wasserversorgung einspeisen.

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