Nr. 36/2015 vom 03.09.2015

Kunst

Plattform für Performance

Sie nennt sich schlicht und einfach PPP und ist doch eine Performanceplattform vom Feinsten. Gegründet von Norbert Klassen und Peter Zumstein, steht sie heute unter der Leitung von Juerg Luedi, Joëlle Valterio und Gisela Hochuli, die letztes Jahr den Performancepreis Schweiz bekommen hat. PPP bietet schweizerischen wie auch internationalen PerformancekünstlerInnen eine Bühne, um ihre Arbeiten einem breiten Publikum zu zeigen und sich untereinander zu vernetzen.

In diesem Jahr möchte PPP neue Wege einschlagen, indem man Kooperationen mit dem Netzwerk Neue Musik und dem Kultur- und Kunstraum Neustadt-lab eingeht. Damit sollen die Schnittstellen zwischen öffentlicher Intervention, experimenteller Musik und Performance ausgelotet werden. Natascha Moschini aus Bern beschäftigt sich in «mama’s body is a mountain» mit Fiktionen und körperlichen Grenzgängen, während Klara Schilliger im eher klassischen Feld der Performance Art Konventionen auf die Probe stellt. Tomasz Szrama aus Finnland arbeitet mit Fotografie und Video und setzt sich in expressiver Art mit dem Thema Zeit auseinander, Willem Wilhelmus aus Holland experimentiert mit der Begrifflichkeit der Performancekunst, Valentine Verhaeghe arbeitet mit Sprache und Klängen, um dennoch den Körper ins Zentrum zu rücken, und Michel Collet überschreitet in multimedialen Aktionen persönliche Grenzen.

PPP 2015 Progr Performance Plattform in: Bern Progr-Lab 263, So, 6. September 2015, 14–19 Uhr.

Johanna Lier

Theater

Treibstoff für die freie Szene!

Vergangene Schlachten und Zukunftsvisionen: Der Ort, an dem vor über 500 Jahren in der Schlacht bei St. Jakob gekämpft wurde und heute im Stadion um den Ball gekämpft wird, dient dem Kollektiv Helium x als Bühne seiner eigenen «Grossen Schlacht». Im Stück «Schichten» verweisen Atombombentests und Vulkanausbrüche auf erdverändernde Ereignisse und rufen futurologische Imaginationen auf. Beide Produktionen sind seit Juli direkt vor Ort entstanden und kommen an den Treibstoff-Theatertagen in Basel zur Uraufführung. Dabei werden auch unkonventionelle Orte wie öffentliche Plätze oder eben Fussballstadien zu Bühnen für Theater, Performanceprojekte und Ausstellungen. Das Unkonventionelle, Subversive ist denn auch einendes Moment der thematisch breit aufgestellten Theatertage. Die sieben beteiligten Kollektive berufen sich auf die Überwindung disziplinärer und hierarchischer Grenzen, und da fehlt auch die Kritik an Normen bezüglich Geschlecht und Liebe nicht: «Lovepiece» wirft einen kritischen Blick auf gängige Auffassungen zu Zweierbeziehungen.

Treibstoff Theatertage in: Basel diverse Orte, 2.–12. September 2015. Genaues Programm siehe 
www.treibstoffbasel.ch.

Rahel Locher

«Circus Jupiter»

Auf den Paninibildchen, die als Flyer für «Circus Jupiter» werben, sieht man die sieben Mitwirkenden, die grimmig-bedeppert in die Kamera blicken und Schilder tragen mit Sprüchen wie «Ich kann alles erklären», «Scheitern als Chance», «Man hat mich gezwungen» oder, besonders vielversprechend, «Wir sind Eure Zukunft». Das «musikalisch-circensische Sozialspektakel», von Eveline Ratering geschrieben und inszeniert, bringt Luftartistik und Sozialarbeit zusammen, begnadete Körper und verwundete Seelen, Opern- und Zirkusmusik, hintergründig und höchst unterhaltsam.

«Circus Jupiter» in: Zürich, Kochareal, 
Flurstrasse 85 (bei Schlechtwetter in der Halle), Do/Fr, 3./4. September 2015, Fr/Sa, 9./10. September 2015, Mi–Fr, 16.–18. September 2015. www.triad-theater.ch.

Jürg Fischer

Festival

Verrückte Wissenschaft

Forschung kommt von forsch, oder? Am Mad Scientist Festival in Bern besteht daran kein Zweifel. Zehn Tage lang werden hier die Wunder der Wissenschaft aus schrägem Winkel beleuchtet, angereichert mit Musik, Theater und Film. Der Club Bonsoir wird dafür zu einer physikalischen Imaginationsmaschine umgebaut, in der sich alles um den Urknall dreht. Und in der langen Festivalnacht im Naturhistorischen Museum demonstriert Steven Gould den nach ihm benannten Gould-Effekt, der Biologe Christian Kropf berichtet von natürlichen Bondage-Praktiken aus dem Reich der Spinnen, und in Andrea Staudachers «Future Meat Gallery» gibts Insektenhäppchen zu degustieren.

Mad Scientist Festival in: Bern, Naturhistorisches Museum, Fr, 4. September 2015, 18–02 Uhr; 
Club Bonsoir, Do–So, 3.–13. September 2015.

Florian Keller

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch