Nr. 45/2015 vom 05.11.2015

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an Autor:in

Haltlose

Vom kürzlichen Ausflug des «Magazins» in die Provinz blieb uns vor allem dieser Satz: «Der Chur-Ort. Zwischen Bergen, Kathedrale, Designertreppe und Baustelle kann man prima die Seele taumeln lassen.» Krankenkasse, übernehmen Sie!
Jürg Fischer

Gesundheitsfördernde

Apropos Krankenkasse: «Ich sah 5000 nackte Frauen an einem Tag», zitierte das «SonntagsBlick Magazin» den ersten Chefredaktor des deutschen «Playboys». Bei einer Mindesterholungszeit von knapp sechs Stunden pro Tag standen dem Mann also durchschnittlich dreizehn Sekunden Betrachtungszeit zur Verfügung, essen und trinken kann man ja nebenbei. Da der Mann heute 87 ist und wohlauf scheint, könnte das Bundesamt für Gesundheit seine Erfahrungen doch für eine der nächsten Präventionskampagnen nutzen.
Karin Hoffsten

Reduzierte

Die Printmedien müssen sparen. Nach Dezimierung des Personals – namentlich im Korrekturbereich – sind folgerichtig nun die Buchstaben dran. Beim Interview mit Franz Hohler im «Tages-Anzeiger» hiess es einmal: «iegt es wirklich an ihm?», und an anderer Stelle: «Tsipras und ine Leute». BDP-Nationalrat Lorenz Hess hätte sich laut «SonntagsZeitung» im Wahlkampf manchmal auch «einen reichen Onkel mit rotem Bademantel und Stohhut» gewünscht, und die «NZZ am Sonntag» erwähnte das Papier, «das Philip Roth ür seine ersten Entwürfe verwendet». Zwecks besserer Lesbarkeit empfehlen wir ein systematisches Vorgehen: Erst alle Vokale streichen, zm Bspl, danach den . Der entstehende Leerraum lädt ein zu kreativem Tun.
Karin Hoffsten

Zusätzliche

Zum Glück gibt es immer noch Medien, die grosszügig mit ihrem Material umgehen. So sprach eine Autorin in der NZZ vom «fiktiven Nest in der Eiffel», und auf t-online.de wusste man nach dem letzten «Tatort»: «Der Kommissar ludt in der düsteren Krimi-Episode grosse Schuld auf sich.» Die letzte Anreicherung dünkt uns noch recht elegant.
Karin Hoffsten

Irregeführte

Die «SonntagsZeitung» befragte einen Fachmann zu paranormalen Phänomenen: «Der Psychologe und Neurowissenschaftler weiss, dass es Halluzinationen und ‹falsche Erinnerungen› gibt, auf die Menschen beharren, obwohl ihr Gehirn sie getäuscht hat.» Wir aber wissen, dass manche auf ihren grammatikalischen Irrtümern beharren, was uns aber immer noch lieber ist als ein Poltergeist hinterm Schrank.
Karin Hoffsten

Bildhafte

Im «Tages-Anzeiger» gings letzte Woche mal wieder um mögliche Bundesratskandidaten der SVP: «Hohe Stücke hält man in der Partei auf den Aargauer Nationalrat und Unternehmer Hansjörg Knecht.» Schweizweit hat das aber noch keine grossen Wellen geschlagen.
Karin Hoffsten

Glattrasierte

Ein sensationelles Angebot erreichte uns via E-Mail, nämlich «die erste borstenlose, antibakterielle WC Bürste ohne Borsten». Sehr erfreulich, wo gerade die Borstenlosen doch sonst durch ihr dichtes Haarkleid auffallen.
Karin Hoffsten

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