Nr. 47/2015 vom 19.11.2015

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Gewieherte

Grosse Institutionen müssen sich einer täglichen Flut von Zusendungen aller Art erwehren: Mails, Briefe, Pakete und so weiter. Kein Wunder, versuchen sie, den arbeitsintensiven Input zu steuern. Aber wie: Von der SRG SSR wurde uns ein Schreiben retourniert, auf dem der folgende Kleber prangte: «Das Postfach 573 ist nur für Rechnungen eingerichtet !!!! Für sonst. Sendungen benutzen sie die richtige Lieferanschrift.» «Nur für Rechnungen» war zusätzlich unterstrichen. Nach Adam Smith fördert Arbeitsteilung die «grössere Geschicklichkeit jedes einzelnen Arbeiters», Karl Marx sieht in ihr die «Existenzbedingung der Warenproduktion». Wir vermuten, dass sie im Einzelfall auch die Schaffung von Nischen begünstigt, in denen eine ganz eigene Höflichkeits- und Sprachkultur ausgebildet wird.
Jürg Fischer

Ernteundankbare

Wir sind ja sehr dafür, den einheimischen Bauernstand zu unterstützen, und kaufen lokale Produkte, wann immer es geht. Ehrlich wahr. Kommen wir aber auf einem Spaziergang an einem Leiterwagen voller Selbstbedienungskürbisse vorbei, neben dem zwei Plakate mit folgenden Texten angebracht sind: «Gnüüss miich – diis heimisch Gmües» beziehungsweise «Gnüüss miich – diis heimisch Getreide», dann zieht es uns mit Macht ans Gemüseregal des Grossverteilers, wo wortlos all das bescheidene holländische Gemüse liegt.
Jürg Fischer

Schmidtige I

Aus völlig ungeklärten Gründen beförderten wir den verstorbenen Altkanzler Helmut Schmidt im Nachruf in der letzten WOZ vom Ober- zum Oberstleutnant der deutschen Wehrmacht, was gemessen an allgemein menschlichen und nicht militärischen Kriterien eine bedauerliche Abwertung bedeutet: Schliesslich wäre es kein Ruhmesblatt, in der Hierarchie der deutschen Wehrmacht besonders weit gekommen zu sein. Wir bitten dennoch herzlich um Entschuldigung!
Karin Hoffsten

Schmidtige II

Der grosse Tote schwebte ja tagelang über allen Kanälen, so auch über dem «Blick am Abend», wo er unverhofft zu ganz anders gearteten Lorbeeren kam. Dort zählte nämlich Jürg Ramspeck in seiner Kolumne auch «Helmut Schmidt, der vor drei Jahren auf ARD respektive Sat.1 verstummte und die ‹Late-Night-Show› verwaist zurückliess», zu jenen drei Männern, die in Deutschland «Fernsehen in unbehelligter Freiheit betrieben». Aus noch schlechter informierten Kreisen sickerte durch, danach habe Schmidt interimistisch die Bayreuther Festspiele geleitet und nebenher inkognito als Bremer «Tatort»-Kommissar geamtet.
Karin Hoffsten

Schwerverdauliche

Zwei Tage nach «Paris» berichtete die deutsche «Tagesschau» aus Antalya: «Im Moment sitzen die mächtigen Zwanzig zusammen beim Abendessen und ringen um eine gemeinsame Strategie.» Zum Abschluss gabs Raki. Wir wünschen nachträglich «Bon appétit»!
Karin Hoffsten

Geeignete

In der Schweizer «Tagesschau» hingegen erklärte der Berner Regierungsrat Hans-Jürg Käser, unbegleitete Jugendliche und Kinder, die auf der Flucht in die Schweiz einreisten, genössen «Akzeptanz vor allem in den Fussballclubs. Dort sind sie sehr geschätzt, weil sie sehr beweglich sind.» Für Russland oder allenfalls Katar sollte es reichen.
Karin Hoffsten

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