Nr. 05/2016 vom 04.02.2016

Närrisches Treiben

Von Karin Hoffsten

Es ist Fasnacht, also ist es lustig. Egal in welcher Stadt: Echten AdeptInnen ist ihr jeweiliges Tun heilig, und beim Vermessen des Lustigkeitsfaktors kennen eingefleischte FasnächtlerInnen keinen Spass. Ich verstehe das, verbrachte doch auch ich manch fröhliche Tage in den Metropolen des deutschen Karnevals am Rande des Delirs.

Dumm ist nur, dass auch fröhliche Dummheit eine Dummheit bleibt. Vielleicht erinnern Sie sich, wie letztes Jahr Luzerner Fussballfans einen St. Galler «Juden» vor sich hertrieben. Wem da reale Pogrome in den Sinn kamen, fehle es bloss an Humor, hiess es – schliesslich sei Fasnacht. Und heuer wird mitten in Solothurn der «Ballzillus im Landhus» zum Motto «Dschungelfieber» so beworben: Ein riesiger Mohr, dem ein Knochen quer unter der Nase steckt, wird auf grosser Flamme im Kochtopf erhitzt.

Ob sich dunkelhäutige SolothurnerInnen vom heiteren Sujet angesprochen fühlen, ist mir nicht bekannt; und dass Proteste seitens der weissen Bevölkerung bisher ausgeblieben sind, mag damit zu tun haben, dass hier – entgegen der überlieferten Scherztradition – der Neger gekocht wird und nicht der Missionar.

In der Ostschweiz gilt übrigens die «dekorierte Beiz» als lustig. Worin bei dieser – leider aussterbenden – Tradition die Dekoration besteht, erzähle ich Ihnen ein anderes Mal.

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