Nr. 19/2016 vom 12.05.2016

Die missbrauchten Liebesbriefe

Von Karin Hoffsten

Den Anfang machte kürzlich der Brunner Toni, indem er diversen Medien Einblick in die vor neunzehn Jahren verfasste Liebeserklärung an seine Esthi (vulgo Esther Friedli) gewährte. «Ich denk immerwährend nur an Dich, Du mein Herzilein!!», hatte der «Toni-Schnügeli» seinem «Herz-Chäferli» damals geschrieben.

Im Rahmen aufwallender Hormonschübe sind derlei Bekenntnisse nichts Ungewöhnliches – dass sie einer breiten Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht werden, hingegen schon; es sei denn, der Verfasser ist tot. Der quicklebendige Auslöser war in diesem Fall, nach spontanem SVP-Eintritt, die Bewerbung der Angebeteten um einen Platz in der St. Galler Kantonsregierung. Die hübsche Idee blieb erfolglos, vielleicht habens die St. GallerInnen nicht so mit Liebesbriefen.

Dann begegnete mir im «SonntagsBlick» «Mönelis berührender Liebesbrief an ihr Schätzi Fritz». Auf verbaler Ebene ähnlich offenherzig wie einst physisch im «Penthouse», schwor die Theaterfrau Monika Kälin ihrer «FCZ-Legende» Fritz Künzli ewige Liebe. Ja, will sich jetzt das Schätzi Fritz auch irgendwo reinwählen lassen?

Sollte sich der Trend durchsetzen, werden künftige Wahlen zur Liebesplattform. Zum Glück wird der Bundesrat nicht vom Volk gewählt. Sonst müsste ich auch noch lesen, wie Katharina Schneider-Ammann ihren Hansli anschmachtet.

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