Nr. 21/2016 vom 26.05.2016

Der Sinn des Lebens

Von Karin Hoffsten

Mit einem herzig in ein Maisblatt gewickelten «Gentechbaby» warnt mich das Nein-Lager davor, zur Präimplantationsdiagnostik (PID) Ja zu sagen. Doch auch die BefürworterInnen lassen sich nicht lumpen und beschwören gern das grosse Leid kinderloser Paare.

Die «SonntagsZeitung» zitierte das Ehepaar Meyer, das nach zwei Jahren, sechs Spanienaufenthalten (wo PID erlaubt ist), zwanzig Embryonen und 40 000 bezahlten Franken immer noch kein gesundes Kind in Aussicht hat, und der «Tages-Anzeiger» porträtierte eine Nicole, die ihren Gendefekt nicht weitergeben, aber unbedingt ein Kind haben will. «‹Seit Jahren habe ich keinen anderen Gedanken mehr›», sagt sie. «Eins würde ihr reichen. Ein eigenes.» Dann müsse sie «sich nicht mehr rechtfertigen».

Ich bin nicht für Gefühlskälte bekannt, aber das ist mir unheimlich. Wir leben nicht im ländlichen Indien, wo unfruchtbare Schwiegertöchter mit dem Schlimmsten rechnen müssen. Und keine kinderlose Frau muss mit einer Zwangsscheidung rechnen wie einst die unglückliche Soraya, weil sie dem Schah von Persien kein Kind gebar.

Aber vielleicht hängt ja alles zusammen: Wenn – wie in der «Arena» von zwei liberalen Politikerinnen behauptet – mit einem bedingungslosen Grundeinkommen alle Frauen zu Hause bleiben wollen, brauchen sie natürlich ein Kind. Sonst sterben sie noch vor Langeweile.

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