Nr. 39/2016 vom 29.09.2016

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Hinterbliebene

«Tief erschüttert und für uns alle unerwartet, hörte sein Herz auf zu schlagen», lasen wir im Sommer in einer Todesanzeige. Bei aller Pietät: So ganz unerwartet kann es angesichts der Erschütterung nicht gewesen sein. Verdient hat er diesen Abgang trotzdem nicht.
Jürg Fischer

Möglichkeitliche

«Das Tier stellte gemäss Polizeiangaben ein Gefahrenpotenzial dar», hiess es unlängst in einer Meldung der Schweizerischen Depeschenagentur über eine kampflustige Mutterkuh. Wir würden sagen, das Tier hat Karriere gemacht; stellte es früher allenfalls eine Gefahr dar, hat es jetzt zusätzlich Potenzial. Allerdings hat es dies nicht davor bewahrt, von der Wildhut erschossen zu werden.
Jürg Fischer

Andersufrige

Wir haben an dieser Stelle vergangene Woche ein Medium zitiert, das die Aussage eines jungen Teilnehmers am «Marsch fürs Läbe» mit der originellen Wortschöpfung «homophon» wiedergab. Fälschlicherweise haben wir das Zitat dem «Bund» zugeschrieben statt der «Berner Zeitung». Der Titel unseres Textleins, «Identitätskritische», war da schon fast selbsterfüllende Prophezeiung. Wir entschuldigen uns bei dem übergangenen wie bei dem verdächtigten Medium.
Jürg Fischer

Geschützte

«Ich wünsche mir ein sicheres Land, dass gegen Terroristen vorgeht», liess der «Tages-Anzeiger» Oliver Stone äussern, worauf WOZ-Leser H. seinerseits einen Traum formulierte: «Ich wünsche mir ein Korrektorat, dass gegen solche Fehler vorgeht.» Wir unterstützen das! Und sollte der US-Regisseur merken, dass ihm die eigene Heimat auf Dauer doch zu unsicher ist, laden wir ihn ein, in der Schweiz Wohnsitz zu nehmen. Seit letztem Sonntag wird nämlich auch hier seriös gegen Terroristen vorgegangen.
Karin Hoffsten

Marschbereite

«Viele ausländische Pilze eingewandert», meldete dieselbe Tageszeitung. Angesichts der für die Spezies ungewöhnlichen Fortbewegungsart handelt es sich wohl mehrheitlich um Fusspilze.
Karin Hoffsten

Leistungsschwache

Politik gilt weitherum als schwieriges Thema und Deutsch als schwierige Sprache. Verschränken sich beide Bereiche zu Sätzen, kann deren Entschlüsselung zur Herausforderung werden. So lasen wir bei «Watson»: «Doch die angekündigte Wut leistete dem Parteipräsidenten Albert Rösti keinen Vorschub.» Und im «Blick» wurde Cédric Wermuth mit dem Satz zitiert: «Das Parlament kann gar nicht anders, als den Entscheid nicht zu gewährleisten.» Falsch war das alles nicht, aber wir leisten uns dennoch die These, dass beides keinen Beitrag zur Transparenz leistet.
Karin Hoffsten

Handgreifliche

Als «etabliertes Stelldichein der Profis» empfiehlt der Harbour Club seine jährlichen Symposien. Wie im Sondernewsletter von persoenlich.com mitgeteilt, konnte für die diesjährige Veranstaltung «Marc Walder, CEO Ringer», gewonnen werden. Über seinen Gegner war noch nichts in Erfahrung zu bringen.
Karin Hoffsten

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