Nr. 44/2016 vom 03.11.2016

Nicht böse, aber blöd

Von Karin Hoffsten

Kennen Sie Trick 17? Den wenden gern alle an, die sich zu Unrecht kritisiert fühlen, wenn sie mal wieder in den sexistischen/rassistischen Fettnapf gelatscht sind: Treuherzig beteuern sie, niemals und unter keinen Umständen sexistisch oder rassistisch zu sein – das wüssten sie doch selbst am besten! –, und falls sich jemand verletzt fühle, tue ihnen das sehr leid! Nicht ohne durchblicken zu lassen, dass sich verletzt fühlende Individuen halt ein bisschen empfindlich oder zumindest humorlos seien.

So auch am letzten Samstag in der ZDF-Sendung «Verstehen Sie Spass?» («VSS?»), wo Röbi Koller, Moderator der SRF-Sendung «Happy Day», eingeladen war: In seiner letzten Show hatte ihm der blond-blauäugige «VSS?»-Moderator – schwarz geschminkt mit Wulstlippen – in schönster Blackfacingtradition einen «Streich» gespielt.

Diverse Prominente hatten zuvor angekündigt, die Sendung «VSS?» boykottieren zu wollen, Volksmusiklegende Sepp Trütsch brachte es im «Blick» auf den Punkt: «Dieser Sketch war völlig deplatziert. Sklavenhandel, Apartheid, das Verspotten von Schwarzen – solche hässlichen Dinge haben wir doch hinter uns gebracht.»

Der «VSS?»-Moderator griff schon während der Sendung zu Trick 17. Röbi Koller, der es eine Ehre fand, «von einer so legendären Sendung auf die Schippe genommen» zu werden, tat es im «Blick»: «Es gibt immer Menschen, die betupft sind. Aber es war nicht böse gemeint. Ich sehe es nicht so eng.»

Eben leider doch. Sehr eng!

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