Nr. 48/2016 vom 01.12.2016

Lustiges Zahlenraten

Von Karin Hoffsten

Vermutlich liegt es daran, dass ich mein Lebtag nie ein Auto besass und folglich auch keine deutsche Autonummer brauchte, denn ich wusste nicht, dass die Buchstabenkombinationen HJ, KZ, SA und SS in Deutschland verboten sind. Dass sich der Neonazi zudem gern der Zahlenverschlüsselung bedient, weiss aber auch die Schweiz – spätestens seit die 88 auf einem Shirt im SVP-Wahlspot auftauchte: Weil H der achte Buchstabe im Alphabet ist, ersetzen einschlägige Kreise «Heil Hitler» durch 88.

Nur der Werbeagentur Jung von Matt scheint das alles unbekannt, denn sie hat die Supermarktkette Edeka jetzt mit einem TV-Spot in das geritten, was ich hier auch lieber verschlüssele: in die 19 3 8 5 9 19 19 5. Der Spot, der Erwachsene dazu anregen soll, ihren Kindern Zeit zu schenken, statt vorweihnächtlich alles Mögliche zu müssen und zu sollen, wurde dummerweise mit den fiktiven Nummernschildern «MU-SS 420» und «SO-LL 3849» illustriert.

Jetzt tobt ein Sturm: Neben dem verbotenen SS steht die Zahl 420, was in der Nazinumerologie für den 20. April, Hitlers Geburtstag, steht. Hinter LL hat man offenbar noch nichts entdeckt («Labile Liebe»?), aber in der Zahl 3849 stecke die 84 für «Heil Deutschland».

Man sagt mir ja nicht unbedingt Toleranz gegenüber faschistoider Gesinnung nach. Aber das geht mir jetzt echt am 1 18 19 3 8 vorbei!

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