Nr. 51+52/2016 vom 22.12.2016

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Vernebelte

Auf Radio SRF hörten wir letzte Woche den Zigarrero Heinrich Villiger: «Ich glaube nicht, dass eine höhere Tabaksteuer Jugendliche davon abschrecken würde, weniger zu rauchen.» Wir glauben, in Villigers Sinn zu sprechen, wenn wir korrigierend eingreifen: Darfs ein bisschen mehr sein?
Jürg Fischer

Unbeschnittene

Und welche Meldung puschte Radio und Fernsehen letzte Woche aufs Handy? «Katzenhalter sollen nicht kastriert oder sterilisiert werden müssen. Der Ständerat lehnt eine entsprechende Petition ab.» Uff, da haben wir KatzenhalterInnen Glück gehabt. Aber müsste es nicht eigentlich Ständerrat heissen?
Jürg Fischer

Choreografische

Als letzte Woche im Nationalrat die Umsetzung der Zuwanderungsinitiative beschlossen wurde, sagte ein Bild wieder einmal mehr als tausend Worte: Die Mannen und Frauen von der SVP hielten ihre selbstgemachten Plakätli in die Luft beziehungsweise in die Kamera. Wir werweissten einen Moment lang, ob die Aktion spontan erfolgt oder von langer Hand geplant worden war. Die müden Texte – wahlweise «Verfassungsbruch!» oder «Massenzuwanderung geht weiter!» – sprechen für Spontaneität. Die Tatsache aber, dass sie es alle schafften, die Sprüche richtig herum hochzuhalten, deutet darauf hin, dass im Vorfeld auf der Rückseite Markierungen angebracht worden waren. Bravo!
Jürg Fischer

Vorweihnächtliche

«Das spontane und multikulturelle Leben in Marseille» spielt sich laut «Bund» so ab: «Araber, Juden und Hafenarbeiter trinken nach der Arbeit zusammen ein Glas Wein zum Aperitif und plaudern.» Das wundert uns nicht, gehört doch die Hafenarbeit unter den grossen monotheistischen Glaubensrichtungen zu den friedfertigsten.
Karin Hoffsten

Süsssaure

In einem Interview mit Geraldine Chaplin hiess es, ihr Vater Charlie habe es geliebt, «die Mariniertheiten der Mächtigen zu karikieren». Originelle Marinadenrezepte für Trump, Putin, Assad und Konsorten können auf «Tages-Anzeiger Online» heruntergeladen werden.
Karin Hoffsten

Veränderte

Die «bz Basel» deckte auf, dass unsere Skisprunglegende ab sofort in jeder Hinsicht neue Wege einschlägt: Unter dem Stichwort «Simon Ammann» wusste das Blatt zu vermelden: «Die Tessinerin rettet ein verkorkstes Wochenende mit dem Super G-Sieg».
Karin Hoffsten

Zeitliche

«Welche rechtlichen Folgen Burka-Trägerinnen heute schon zu gegenwärtigen haben», fragte ein Politiker laut «Blick am Abend». Keine, sagen wir, sie zukünften noch.
Karin Hoffsten

Hirngespinstige

Im Zusammenhang mit der Meldung «‹Schweiz am Sonntag› wird eingestellt» mussten wir ob der durch die entsprechende Medienmitteilung verbreiteten Aussicht, die künftig am Samstag erscheinende Ausgabe «Schweiz am Wochenende» biete Lesestoff für zwei Tage, laut lachen. Faszinierend ist nämlich, die Meldung als Metapher zu nehmen. Dann heisst es bald einmal: Schweiz am Montag wird eingestellt, Schweiz am Dienstag etc. Und am Schluss wird festgestellt: La Suisse n’existe pas.
Jürg Fischer

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