Nr. 04/2017 vom 26.01.2017

Im Ernst

Von Stephan Müller

Den Namen der Person möchte man schon kurz nach Amtsantritt nicht mehr hören, darum wird er hier auch nicht genannt. Der Pressesprecher der Person griff die Medien massiv an. Sie hätten bei der Zahl der Menschen, die an der Zeremonie der Amtseinführung dabei waren, krass untertrieben. Die Tatsachen zeigten jedoch das Gegenteil.

Was sagt uns diese Debatte? Die besagte Person vermag es offensichtlich, jegliche wichtigen Argumente und Kritiken auf ein Nebengleis zu führen, um dort eine sinnlose Diskussion zu inszenieren. Mit etwas Fantasie lässt sich vieles vorstellen. Die Person könnte beispielsweise einen Krieg im Ausland beginnen und gleichzeitig mit grosser Emotion eine wichtige Debatte über die Farbe ihrer Schnürsenkel starten. Oder sie könnte an den Amtsgeschäften vorbei private Milliardendeals abschliessen, öffentlich aber gleichzeitig eine Auseinandersetzung über vermeintliche Presseangriffe auf ihren Coiffeur beginnen.

Die boulevardesken Probleme der C-Prominenz können so perfekt die relevanten Probleme der Welt überlagern. Und ja, jedes Kind begreift so den Inhalt der Auseinandersetzung. Die «Neue Zürcher Zeitung» meinte dazu auf der Titelseite: «Erfasst werden kann das nur noch in Kategorien von George Orwells Doppeldenk aus dem Roman ‹1984›.»

Die mentale Zersetzung beginnt so. Verschiedentlich wurde gesagt, die Linke nehme besagte Person «wörtlich, aber nicht ernst», während die Rechte sie «nicht wörtlich, aber ernst» nehme. Die Wahrnehmung der Linken war also fatal.

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