Nr. 23/2017 vom 08.06.2017

Von Jürg Fischer

Sportdramatische

«Ein weiterer Dolchstoss ins Herz. Eine weitere Kerbe an der Mauer der Niederlagen eines europäischen Gefängnisses, die zu sagen scheint: lebenslänglich», schrieb die «Gazzetta dello Sport» gemäss Schweizerischer Depeschenagentur nach der Champions-League-Finalniederlage von Juventus Turin gegen Real Madrid. Bei aller gebotenen Distanz zum Fussballzirkus kommt uns ein solches europäisches Gefängnis durchaus attraktiv vor. Fragt sich höchstens, ob ein südamerikanisches oder afrikanisches Fussballgefängnis schlimmer oder besser wäre. Sicher ist nur: Mit solcher Bildsprache ist garantiert kein Pokal zu gewinnen.

Plaudernde

Auf der Website des Paléo-Festivals begegnete uns diese Frage: «Würde der Schwatzmarkt nicht eingedämmt, wenn die Tickets ausschliesslich am Schalter verkauft würden, weil man da persönlich hingehen muss?» Wir glauben, dass nein, denn beim Onlineticketkauf von zu Hause aus nehmen höchstens die Selbstgespräche zu.

Unpraktische

«Für die Lehrerin Summer Ayub hat die Mauer ganz praktische Konsequenzen», stand in der WOZ im Artikel «Eingeklemmt zwischen Mauer und Grenze» über die sogenannte Saumzone im Westjordanland, was Leser S. zur Frage veranlasste, ob das nicht eher schlimme oder traurige Konsequenzen seien. Praktisch im Sinn von gäbig ist die Situation ganz sicher nicht, konkret aber schon.

Lernschwache

«Man darf ja aus Fehlern lehren», soll gemäss NZZ der Migrationsforscher Thomas Straubhaar gesagt haben. Ja, heutzutage darf man das, selbst an der Uni. Auf irgendwas müssen die «alternative facts» ja fussen.

Urs-Urbane

Unter dem Titel «In Bern ist wieder der Bär los» fand sich in der «Basler Zeitung» der Untertitel: «Erste Sichtung des Wappentiers in der Hauptstadt seit 1823». Gemeint war aber nicht ein Einwohner des Bärengrabens, sondern das Auftauchen eines Bären in der ländlichen Gemeinde Eriz bei Thun. Das ist halt die Weltsicht in Basel-Stadt: Nur Stadtkantone sind gute Kantone.

Auslegende

«Timea Bacsinszky trifft auf die Französin Mladenovic. Die Partie fand bisher an der Grenze zur Legalität statt», schrieb der «Tages-Anzeiger» in seinem Liveticker zur besagten Tennispartie in Paris und meinte damit, dass die Wind- und Wetterverhältnisse irregulär waren. Ein hübsches Beispiel, dass Legalität eben immer dehnbar ist.

Multitaskende

«Beim Detailhändler scannen sie zunehmend ihre Einkäufe selber ein. Dass sie ihre Autos selber tanken, ist normal. Das Bahnbillet wird am Handy oder am Automaten gelöst. Bei der Swiss checken über 80 Prozent der in Zürich abfliegenden Passagier online ein», berichtete die «NZZ am Sonntag» unter dem Titel «Was alles müssen wir auch noch selber machen». Wir finden es zwar auch mühsam, alles selber zu müssen, aber hier wäre eine Form von Autokorrektur ganz gut gewesen. Oder noch mal durchlesen.

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