Nr. 26/2017 vom 29.06.2017

Bundesratswahlschlaflied

Von Karin Hoffsten

Die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin für Herrn Burkhalter gestaltet sich ähnlich atemberaubend wie eine durchschnittliche Deutschschweizer Rede in National- oder Ständerat.

Jetzt muss der Freisinn seine Hausaufgaben machen und einen Kandidaten küren, dessen Rucksack für das schwere Amt genug gut gefüllt ist. Doch im Tessin feiert natürlich die alte Tradition fröhliche Urständ, dass alle Sprachregionen berücksichtigt werden sollten, während die Westschweizer FDP darauf pocht, dass sie ihre KandidatInnen mit gleich langen Spiessen in den Wettbewerb schicken kann. Um dahin gehend erfolgreich zu sein, müsste allerdings am Wahltag in der Vereinigten Bundesversammlung der Schulterschluss zwischen den Bürgerlichen funktionieren, doch es steht zu befürchten, dass dort längst nicht alle ihr Heu auf der gleichen Bühne haben.

Ein bekanntes FDP-Urgestein steht in keiner Region bereit, und in der Frage, ob diesmal Männlein oder Weiblein genehmer sei, sind sowieso alle uneinig. Die Frauen werden wohl wieder eine Kröte in Männergestalt schlucken müssen, und ihnen fehlt nun mal die Entschlossenheit, diesem Wahlgebaren in der Nacht der langen Messer entschieden einen Riegel zu schieben.

Sollten Sie bis hierhin gelesen haben, ohne einzuschlafen, dürften Sie auch den eigentlichen Wahltag überstehen.

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