Nr. 31/2017 vom 03.08.2017

Nachdenklich gestimmt

«Das Festival der Exekutivgewalt», WOZ Nrn. 28–30/2017

Ihre Berichterstattung zum G20-Gipfel, dem ich nun wahrlich auch äusserst kritisch gegenüberstehe, stimmt mich nachdenklich. Diese leierhaft vorgetragene Sicht von der provozierenden Polizei (vgl. auch Berner Reitschule) wirkt immer unglaubwürdiger. Die wenigen, mehr andeutungsweise vorgebrachten und sich abgerungenen Sätze, mit denen die Gewalt aufseiten der «Demonstranten» erwähnt wird, dienen offensichtlich dazu, diese zu entschuldigen («Vielleicht ist die ‹sinnentleerte Gewalt› der KrawallmacherInnen (…) zumindest in Teilen als Reaktion zu begreifen auf die Gewalt eines absurden Sicherheitsapparats»). Die seit Jahren vorgebrachte Entschuldigungs- und Vereinnahmungsgeste wird unermüdlich und gebetsmühlenartig zum Beispiel auch gegenüber dem Schwarzen Block vorgetragen. Wie blind darf man eigentlich beim Wahrnehmen sein?

Jedenfalls scheint mir das Protestpotenzial der sogenannten Linken immer diffuser und fantasieloser, und man darf sich füglich fragen, ob es unter den vorauszusehenden Umständen nicht effizientere Formen der Auflehnung gegeben hätte, als nach Hamburg zu reisen. Gut, das Eventpotenzial wäre dann vielleicht nicht so aufregend geworden …

Franz Dodel Jakowetz, Boll-Sinneringen

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