Nr. 31/2017 vom 03.08.2017

Von Karin HoffstenMail an Autor:in

Bildhafte I

«Er ist der Ofen und ich das Holz», soll die letzte Bachelorette geäussert haben, was wir gerne aufgreifen, auch wenn wir die Quelle nicht finden konnten; es ist schliesslich immer ein Vergnügen, wenn die Liebe zu feurigen Sprachbildern gerinnt. In Anbetracht der augenblicklichen Witterung schlagen wir jedoch eine etwas derbere Alternative vor: «Sie ist der Kühlschank und ich der Cervelat.» Auf Protestschreiben bitten wir zu verzichten.

Bildhafte II

«Es habe niemand mehr aus dem brennenden Bus geholt werden können, sagt ein Feuerwehrsprecher über das zerstörerische Bild, das die ersten Einsatzkräfte zu sehen bekommen», lasen wir im «Walliser Boten». Solche Bilder müssen jetzt einfach verboten werden.

Trächtige

Dank Leser E. erfuhren wir vom medizinischen Wunder, das sich derzeit im Zürcher Stadtratswahlkampf ereignet: «Kritik an Leihmutterschaft von Zürcher CVP-Politiker», titelte «20 Minuten». Angesichts dieser Sensation vergass der Autor der Nachricht glatt, wie viele Minuten man braucht, um die Gratiszeitung zu lesen: «Diesen Umstand nehmen ihm gewisse CVP-Mitglieder übel, wie einige Minuten vernommen hat.»

Verwechselte

Weil die Hitze auch auf das Assoziationsvermögen weich gewordener Hirnareale wirkt, widerfuhr uns in der letzten WOZ ein Missgeschick hinsichtlich wandernder Aale: «Sie durchqueren den Atlantik bis zur Saragossasee vor den Bahamas.» Die hier eigentlich gemeinte Sargassosee verdankt ihren Namen einer Sargassum genannten Alge. Auf Aale trifft man in der spanischen Stadt Saragossa nach wie vor ausschliesslich in Aquarien und Fischhandlungen.

Botanische

Auf die Frage, was er im Sommer gern esse, antwortete ein Mann dem «Tagblatt der Stadt Zürich»: «Ich mag ein gutes Stück Fleisch vom Rost. Meine Frau ist Vegetarierin, für sie mache gibt es dann entweder Fisch oder Gemüse.» Offenbar kann man sich in dieser Familie nicht nur beim Verb schwer entscheiden, sondern auch bezüglich biologischer Ordnungen. Die betreffende Hausfrau zieht ihre Egli im Gartenbeet.

Gelungene

Aus dem «Eschenzer Leu» erfuhren wir, dass man für die Festrede am Nationalfeiertag heuer Bundesrat Johann Schneider-Ammann gewinnen konnte. Eröffnet wurde die Bundesfeier mit der «Musikgesellschaft Eschenz und der Country-Band ‹Schneider goes›». Wir gratulieren!

Verlangsamte

Überrascht hat uns im «Tages-Anzeiger», dass ein Song von Mick Jagger «von seinem lauerenden Gitarrenriff» profitiere. Weil die Schweizer Literatur ihre Lebendigkeit häufig dem klug gesetzten Helvetismus verdankt, erklang in unserem inneren Ohr sofort ein Gitarrenriff, das – gemäss berndeutsch.ch – trödelt, Zeit verplempert oder gar passiven Widerstand leistet. Das wird unsere Sommerhymne!

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