Nr. 33/2017 vom 17.08.2017

Feist und das Lustprinzip

Ein blühender Wall aus Grün und Rosa, und oben guckt ein rundes, weisses Schild aus dem Buschwerk: «Pleasure» steht drauf, und da will sie offensichtlich rein, die Frau, die gerade die Tür zur Lust einrennt. Das ist mal eine Ansage auf dem Cover des fünften Albums von Leslie Feist. Im Video zum Titelstück verkörpert die kanadische Sängerin diesen unbedingten Lebenshunger gleich selbst: ganz allein vor der Kamera, das Haar streng gescheitelt, aber der Körper wie in einem Zerrspiegel fast durchwegs zu lustvollen, bunten Schlieren verfremdet. Schwer zu glauben, dass sie, wie sie der «Zeit» sagte, die «beschissensten drei Jahre» ihres Lebens hinter sich hat.

«Pleasure» ist vielleicht die schwierigste, aber auch die musikalisch reichhaltigste Platte der langjährigen Weggefährtin von Peaches – selten beschaulich, oft aber elektrisierend, wie bei der erst aufreizend gedämpften, dann räudigen Rockgitarre im Titelsong. Noch im Lieblichen lauern Brüche und Dissonanzen, und das kulminiert in «Century», einem Biest von einem Song, samt aggressivem Chor und agitierender Perkussion, wo Jarvis Cocker von Pulp am Ende vorrechnet, wie lang ein Jahrhundert dauert: in Sekunden, in Stunden, in Tagen.

Nicht ganz so lang wird Feists Auftritt in Winterthur dauern, wo sie jetzt zum Finale der Musikfestwochen erstmals seit fünf Jahren wieder in der Schweiz spielt beim einzigen Schweizer Konzert ihrer Europatournee.

Feist in: Winterthur Steinberggasse, Sa, 19. August 2017, 22.15 Uhr. Vorprogramm: Andy Shauf (18.45 Uhr), Glen Hansard (20.15 Uhr). www.musikfestwochen.ch

Florian Keller

Lieder aus dem Libanon

Sind das bloss aparte Melodien in europäischer Harmonik mit ein paar orientalischen Floskeln versetzt? Bei Fortunat Frölich ist mehr zu hören, es greift tiefer. Seit langem schon beschäftigt sich der Bündner Komponist mit den traditionellen Musiken des Nahen Ostens und der Schweiz, sodass sie sich mittlerweile ganz selbstverständlich durchdringen.

«Aanilhoub – About Love» heisst das jüngste Projekt, in dem er Lieder aus dem Libanon und der Schweiz mit neuen eigenen Kompositionen verbindet. Mit seinem «choR inteR kultuR» war er damit kürzlich in Beirut zu Gast. Nun tritt der Chor zusammen mit der Choral Society der American University of Beirut in der Schweiz auf. Das Programm erzählt von den Konflikten in der Region und nimmt daran Anteil. Darüber hinaus möchte es aber auch ans Licht gelangen und ein Zeichen der Hoffnung setzen.

«Aanilhoub – About Love» in: Chur Martinskirche, Di, 22. August 2017, 20 Uhr; Zürich Predigerkirche, Mi, 23. August 2017, 20 Uhr.

Thomas Meyer

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