Nr. 34/2017 vom 24.08.2017

Ob-la-di, Ob-la-da

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Während der Sommerferien frönte SRF wieder mal seinem Hobby und schickte eine Schweizer Familie ins späte Mittelalter, um der geschichtsvergessenen Jugend, die sicher gar nicht hinsah, zu zeigen, dass es nicht schon seit dem Urknall Glam Glow Glossy Lip Balm und Deo gibt. Tapfer stapfte die Familie durch Haus, Garten und Stall und fand sich damit ab, dass sie am Sonntag das Gotteshaus trotz eifrigem Schrubben dreckigen Fingernagels betreten musste. Nach dem Filmgottesdienst – dem Jahre 1517 entsprechend unreformiert und auf Latein – erwies sich jedoch, dass sich das religiöse Empfinden in den letzten 500 Jahren weniger verändert hat als die übrigen Verhältnisse.

Die jüngste Tochter durfte beim Abendmahl die geweihte Oblate noch nicht essen und gab diese ihren Geschwistern zum Knabbern, wozu der Kommentator gesagt haben soll: «Die Hostie wird zum Snack (…)». Nach Protesten aus katholischen Kreisen wurde die Szene geschnitten, SRF bat um Entschuldigung. Nun gut. 1517 hätten Kind und Kommentator ihr Leben wohl auf dem Scheiterhaufen gelassen.

Laut Duden ist ein «Snack» neben anderem Imbiss, Mahl oder Stärkung – das ist nicht anstössig. Da scheint mir die Vorstellung, mit einem Stücklein gebackenen Weissmehls nehme man den Leib eines vor knapp 2000 Jahren verstorbenen Religionsstifters zu sich, um einiges schräger.

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