Nr. 42/2017 vom 19.10.2017

Wortgewaltiger Zorn

«Staatenlos» lautet der Titel des neuen Romans von Shumona Sinha. Die in Frankreich lebende Autorin, die in Kalkutta geboren und aufgewachsen ist, schreibt in ihrem neuen Roman über das Leben hier und dort, von Gewalt, Entwurzelung, Rassismus und Sexismus. Sie tut das wie in ihren letzten aufsehenerregenden Büchern «Erschlagt die Armen!» (2015) und «Kalkutta» (2016) mit einer bildhaften Sprache und mit wortgewaltigem Zorn.

Shumona Sinha in: Basel Literaturhaus, Di, 24. Oktober 2017, 19 Uhr; Zürich Theater am Neumarkt, Do, 26. Oktober, 20 Uhr.

Silvia Süess

Zumutung weggetanzt

Kann man aus allem ein Musical machen? Es scheint so. Nun ist Karl Marx’ «Kapital» an der Reihe. Alle drei Bände. Bei intensiver Auseinandersetzung mit ihnen kann man entdecken, dass Marx nicht nur Witz, sondern auch eine herzerwärmende Nähe zum Allzumenschlichen hatte. Dazwischen gibts auch Schwieriges zum Verhältnis von absolutem und relativem Mehrwert und Sätze wie diesen: «Die Anzahl der gleichzeitig beschäftigten Arbeiter hängt ihrerseits ab von dem Verhältnis des variablen Kapitalteils zum konstanten.» Wie um alles in der Welt bringt man so was mit Takt und Schwung auf eine Bühne? Glaubt man den Ankündigungen des Vereins Freies Musiktheater Zürich, sollen diverse Erwartungshaltungen konsequent unterlaufen werden. Gleichzeitig will man sich und uns einiges zumuten. Die Form des Musicals erscheint dabei als logische Wahl: Wo die Sprache und die Analysen mitunter sperrig und komplex sind, kann das massentaugliche Musiktheater singend, spielend, tanzend einen Weg zum Verständnis bahnen.

«Karl Marx. Das Kapital als Musical» in: Zürich Rote Fabrik, Mi, 25. Oktober 2017, 20 Uhr, Premiere. Diverse weitere Vorstellungen: www.rotefabrik.ch.

Daniela Janser

Keine eindimensionale Frau

Der herrschende antifeministische Backlash von rechts zeitigt auch positive Folgen: Er lässt uns wieder radikaler werden. Jeder Kampf im Kleinen zielt gleichzeitig aufs Ganze, alles ist mit allem verknüpft. Oder umgekehrt betrachtet: Die misogyne Zumutung im Weissen Haus ragt auch in jeden weiblichen Alltag hinein. Dass der Feind gerade wieder sehr laut herumtrampelt, sollte FeministInnen aber nicht daran hindern, gewisse innerfeministische Entwicklungen weiterhin selbstkritisch zu reflektieren. Am besten angeleitet von der britischen Philosophin Nina Power, die in ihrem Büchlein «Die eindimensionale Frau» konsumistische Verzerrungen und apolitische Untiefen im herrschenden Lifestylefeminismus präzis seziert hat.

Vorlesung von Nina Power in: Zürich Zentrum Karl der Grosse, Di, 24. Oktober 2017, ab 20 Uhr. Anschliessend Diskussion.

Daniela Janser

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