Nr. 43/2017 vom 26.10.2017

Herbstes Zeit ist Herbstes Leid

Von Karin Hoffsten

Kaum erhebt sich das erste kühle Lüftchen, schwärmen sie wieder durch Feld und Wald, Strassenschluchten und öffentliche Verkehrsmittel: die Parkas mit Echtpelzkragen. Ich weiss, dass es auf unserer schönen Mutter Erde jede Menge andere Schrecklichkeiten anzuprangern gäbe, aber diese Dinger gehen mir grausam auf den Keks.

Bei jedem Kopf, der drunter steckt, als herrschten in Zürich nicht plus zehn, sondern minus siebzig Grad, rätsle ich, was sich darin wohl regen mag: Die Frage, woher der Pelz stammt, ist es mit Sicherheit nicht, zumal die Köpfe häufig zarten Maiden und Knäblein gehören, die beim Anblick kleiner, lebender Pelztiere in lautes Gejööhe ausbrechen. In den Bekleidungsgeschäften hängen die Jacken schon wieder quadratkilometerweise, und das Personal gibt sich redlich Mühe zu beteuern, die jeweils eigenen Pelze habe man glücklichen Tieren abgezogen.

Auf Facebook postete kürzlich jemand das Foto einer hübschen jungen Frau mit Pelz ums Gesicht und der Bitte, das Bild möglichst weit zu verbreiten. Die Legende lautete: «Wir wissen nicht, warum es erstrebenswert ist, so auszusehen wie eine behaarte Rosette, aber es ist ja nur konsequent, sich wie ein Arschloch zu kleiden, wenn man eins ist.»

Entschuldigen Sie bitte – ich zitiere nur. Um so was ernsthaft zu verbreiten, bin ich nämlich viel zu feinfühlig.

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