Nr. 49/2017 vom 07.12.2017

Dumm gelaufen

Von Karin Hoffsten

Bundesrat sein ist nicht leicht, auch wenn das viele meinen. Bundesratskind zu sein, ist mitunter noch schwerer, weil das väterliche Amt auf einem lastet (mütterliche Amtsbesetzungen gabs noch nicht), und wie andere Kinder auch stellen Bundesratskinder manchmal was an. So hat der Jüngste von Bundesrat M. schon ein paar Dinge auf dem Kerbholz, weshalb er bald vor Gericht steht, denn er ist zwanzig Jahre alt.

So weit, so gut – in der Demokratie sind alle gleich. Egal ob der Jüngste vom Hilfsarbeiter oder der Sohn vom Bundesrat sein Auto an die Wand knallt – vor Gericht müssen beide. Und doch fühlen sich manche ein bisschen gleicher, denn der Anwalt des angeklagten Bundesratssohns hat beantragt, nicht nur das Publikum, sondern auch die Presse vom Prozess auszuschliessen.

Der Wunsch ist verständlich. Es ist nun mal kein Vergnügen, dem Gericht vor neugierigen Schulklassen Red und Antwort zu stehen; und vom hechelnden Boulevard durch den Wolf gedreht zu werden, kann schlimmer sein als die eigentliche Strafe.

Doch Strafprozesse sind öffentlich, es sei denn, gravierende Gründe, meist zum Schutz der Opfer, sprächen dagegen – Bundesratssohn sein gehört nicht dazu. Da muss er jetzt durch.

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