Nr. 06/2018 vom 08.02.2018

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Vollziehende

Unter der Überschrift «Guantánamo wird nicht geschlossen» meldete der «Bund» online: «Das Gefangenenlager Guantánamo bleibt offen. Präsident Trump hat eine entsprechende Anordnung unterschrieben.» Wenn die Gefangenen sich jetzt freuen, dann zu früh. «Offen» ist in diesem Fall die Fake-Analogie zu «nicht geschlossen».
Jürg Fischer

Sortenreine

Kochrezepte gehören zu den beliebtesten Zeitungstexten. Aufgepasst, wenn Ihnen Buchstabensuppe vorgesetzt wird! Einen Linsensalat mit Orangenschale propagierte kürzlich das Magazin der «Zeit». Unter den Zutaten für 4 Personen: «250 g Linsen (bissfeste Sorge, zum Beispiel Beluga oder Du Puy)». Eine Zahnversicherung vor dem Verzehr ist ratsam, sonst müssen Sie sich wirklich Sorgen machen.
Jürg Fischer

Fernöstliche

«Qigong und Taijichuan am Orta-See» wurde in den Kleinanzeigen der vorletzten WOZ unter der Rubrik «Mediation» angepriesen, was Leser C. fragen liess, ob nicht eher «Meditation» richtig gewesen wäre. Ja und nein. Das Konfrontieren verschiedener Entspannungstechniken hat schon mehr als einmal zu Anspannung geführt.
Jürg Fischer

Unangebrachte

Eine wichtige Warnung setzte die Uni Basel ab: «Mit COPD ist nicht zu spassen. Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung ist weltweit die vierthäufigste Todesursache.» Das sollten sich jene hinter die Ohren schreiben, die den ganzen Tag nichts Besseres zu tun haben, als noch häufigeren Todesursachen, wie Herzinfarkten und Tumoren, Witze zu erzählen.
Karin Hoffsten

Emotionale I

«Am Mittwoch war die Bergstasse den ganztags gesperrt, weil per Kran ein Notdach für das Haus mit einem Schaden von 200 000 Franken installiert werden musste», lautete eine Bildlegende in der «Schweiz am Wochenende». Dem traumatisierten Ehepaar, das dieses Haus zuvor bewohnte, hätten wir jetzt wenigstens ein schadenfreies Dach gegönnt. Es gibt immer wieder Unglücke, die auch Bericht erstattende JournalistInnen derart mitnehmen, dass ihnen vor den Augen die Lettern verschwimmen.
Karin Hoffsten

Emotionale II

Das ging offenbar auch dem Autor der NZZ so, als er über einen deutschen Bürgermeister berichtete, der sich seit Jahren über einen ortsansässigen «Reichsbürger» ärgert: «Und mehrfach hätte er ihm am liebsten geohrfeigt.» Wenn er ihm endlich mal rechts und links eine langt, stimmts wieder.
Karin Hoffsten

Emotionale III

«Guten Zeiten für Büezer», konstatierte der «Blick». Schlechten Zeiten für grammatikalisch Sensible, sagen wir.
Karin Hoffsten

Paradoxe

Zum hier letzte Woche zitierten Satz aus der «htr Hotel Revue», manche Hotels «verkürzten ihre Fristen für eine kostenlose Stornierung von 24 auf 48 Stunden vor Check-in», erhielten wir berechtigte Hinweise, dass die Verlängerung der Zeit, in der nur noch kostenpflichtig storniert werden kann, für die Gäste eine Verkürzung bedeute. Wir empfehlen den Satz zur Aufnahme in den Lehrplan «Philosophie für Fortgeschrittene».
Karin Hoffsten

woznews@woz.ch