Nr. 07/2018 vom 15.02.2018

Neues aus der Anthropologie

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Als er vor rund 10 000 Jahren starb, war er zwanzig. Sein Skelett wurde 1903 in der englischen Cheddar-Schlucht gefunden, er gilt als der «erste Brite», und jetzt wurde sein Erbgut untersucht. Nun ist klar, dass der 1,66 Meter grosse Cheddar Man «dunkelbraune bis schwarze Haut, strahlend blaue Augen und dunkle gelockte Haare» hatte und laktoseintolerant war – diverse Medien berichteten.

Und er war nicht der Einzige! Bevor der Mensch sesshaft wurde, waren offenbar viele Nord- und MitteleuropäerInnen eher klein und dunkelhäutig. Die Kombination aus heller Haut, hellen Augen und hellen Haaren trat erst später in Erscheinung.

Bei Hardcore-RassistInnen muss diese Nachricht doch wie eine Bombe eingeschlagen haben: Da pocht man jahrzehntelang darauf, zur Herrenrasse zu gehören, die seit Menschengedenken hellhäutig sei – und jetzt das! Zumal noch frech behauptet wird, es gebe gar keine unterschiedlichen Rassen innerhalb der Spezies Homo sapiens, und überhaupt sei das ganze Rassenkonzept Schwachsinn.

Aber man wäre ja auch kein richtiger Hardcore-Rassist, wenn man wissenschaftliche Erkenntnisse nicht für Fake News hielte. Sicher twittert bald einer, der Cheddar Man sei, von Afrika kommend, letztes Jahr durch den Kanaltunnel gerobbt, habe sich zur Schlucht geschlichen und dort zwecks Tarnung unter ein paar Erdschichten verkrochen.

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