Nr. 07/2018 vom 15.02.2018

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Ethnologische

Wo war letzte Woche zu lesen, «das Schweizer Kanton Graubünden» habe sich gegen eine Olympiabewerbung 2026 entschieden, nachdem die «Graubündener» schon per 2022 keine Winterspiele ausrichten mochten, und Dionys Fumeaux, «Abgeordneter der Demokratischen Zentrumspartei im Sittener Stadtrat» (womit die UDC/SVP gemeint war), sei wenig begeistert von einer Walliser Kandidatur? Richtig, in der deutschsprachigen Ausgabe von «Le Monde diplomatique». Leider wurde die Übersetzung ins Deutsche nicht von einem Züricher oder einer Baselerin gemacht.
Jürg Fischer

Vorrevolutionäre

In der WOZ war zu lesen, die zur Chefideologin der libertären Bewegung aufgestiegene Ayn Rand sei 1905 als Alisa Zinov’yevna Rosenbaum «im sowjetischen Sankt Petersburg geboren». Kein Wunder, hatte die Frau den Antistaatsreflex gleichsam im Blut, wenn sie ihrer Zeit so weit voraus war.
Jürg Fischer

Abgefahrene

Die rüden Disziplinierungsmassnahmen beim Bahngastronomieunternehmen Elvetino haben letzte Woche auf die Website von srf.ch abgefärbt: «Ein fehlender Schal oder eine fehlende Krawatte bestraft Elvetino beispielsweise mit einem Strafpunkt – gleich wie ein ungezügeltes Hemd.» Während das widerspenstige Hemd schon eine halbe Stunde nach Aufschaltung ordnungsgemäss geglättet wurde, hielt der Werfall bis zu unserem Redaktionsschluss ungebeugt stand. Wenn wir SRF gegenüber im Augenblick nicht sehr mild gestimmt wären, gäbe das auch einen Strafpunkt.
Jürg Fischer

Vergriffene

Die «SonntagsZeitung» befasste sich mit hochsensiblen Menschen und beschrieb diese als «feinsinnig, feinfühlig oder emphatisch». Das haben wir ja alle schon erlebt, wie leidenschaftlich und vor Begeisterung glühend einem gerade Hochsensible auf die Schulter hauen können.
Karin Hoffsten

Erblasste

Es stand in der NZZ: «Das Foyer des Kinos hat etwas von verbleichtem Glanz», und das liess uns kurzfristig erbleichen. Doch auch hier weiss der Duden: «(seltener auch:) verbleicht». Wieder sanft errötet, wagen wir es ja kaum zu denken, aber: Verbleicht jetzt auch des Dudens Glanz?
Karin Hoffsten

Malerische

Vom «breitwilligen Einsteigen auf das Feindbild der islamischen Kleiderordnung (Stichwort Burkaverbot)» des Westens berichtete der «Tages-Anzeiger» und trifft damit unseres Erachtens den dicken Nagel voll auf den Kopf. Nicht nur die Zustimmung zu einem Verbot, sondern auch das genannte Kleidungsstück selbst ist ja ziemlich breit.
Karin Hoffsten

Ausgeschlossene

«20 Minuten» sprach von einem «Jobwunder» und listete auch gleich die «Top-10-Jobs» auf, für die zurzeit BewerberInnen gesucht werden: «1. Pflegefachmann, 2. Elektromonteur, 3. Projektleiter, 4. Software-Entwickler, 5. Verkaufsberater, 6. Sanitärinstallateur, 7. Schreiner, 8. Service-Techniker, 9. Polymechaniker, 10. KV-Angestellter». In den Gängen des RAV werden bald nur noch arbeitslose Frauen anzutreffen sein, allen voran die Pflegefachfrauen.
Karin Hoffsten

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