Nr. 09/2018 vom 01.03.2018

Die Kraft der Möglichkeit

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Es war einmal vor langer, langer Zeit – die ganz Alten unter euch mögen sich vielleicht erinnern –, da waren ökologische Überlegungen noch jung und zart. Doch der «Tages-Anzeiger» pflegte und hegte sie, und so veröffentlichte er auch ein paar kritische Berichte zum Thema Auto.

Das ärgerte die Schweizer Autoimportfirmen sehr. Spornstreichs schritten sie zur Tat und beschlossen einen Inserateboykott, was dem «Tagi» nicht nur Geld entzog, sondern auch den sympathischen Ruf eintrug, eine unabhängige und stolze Zeitung zu sein.

Wie gesagt, das ist lange her. Inzwischen hat sich das ökologische Denken umgekehrt proportional zur Dicke des Gletschereises entwickelt, der Klimawandel wird nur noch von komplett Wahnsinnigen angezweifelt, und Pietro Supino ist Verleger von Tamedia und damit auch des «Tages-Anzeigers».

Dieser liess seinen Zeitungen zur Feier des 88. Genfer Autosalons ein Hochglanzheft beilegen, in dem er mit schlichten Worten die «ungebrochene Faszination» junger Menschen fürs Auto beschrieb. «Göttibueb» und «Gottemaitli» seien «begeistert von der Vorstellung, (…) bald unabhängig unterwegs zu sein», und der Sohn eines Bekannten fahre «bereits alleine durch Mexiko-Stadt». Supino spürt «die Kraft der Möglichkeit des Individualverkehrs, der in einem Schwellenland wie Mexiko natürlich eine noch grössere Bedeutung zukommt».

Leider hat «die Kraft der Möglichkeit» inzwischen auch in Mexiko-Stadt so viel Dreck in die Luft geblasen, dass man ihr in Form von Fahrverboten Schranken setzen musste.

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